Präsident Putin persönlich soll den Startbefehl für den ersten Testflug der neuen russischen Interkontinentalrakete Avangard gegeben haben. Alleine diese Tatsache zeigt, dass es sich um ein extrem prestigeträchtiges Projekt handelt. Nachdem die Rakete von Moskau aus – wie geplant – 4.000 Kilometer in Richtung Osten flog und auf der Halbinsel Kamtschatka aufsetzte, sprach der Präsident schließlich von einer neuen „strategischen Waffe“. Denn gegenüber den bisher zur Verfügung stehenden Raketen soll das neue System vor allem zwei Vorteile haben:


1. Die Raketen erreichen enorme Geschwindigkeiten. So sprechen die Ingenieure von zwanzigfacher Schallgeschwindigkeit. Dies wären rund 25.000 Stundenkilometer. Auch weit entfernte Ziele könnten so vergleichsweise schnell erreicht werden.

2. Noch während des Flugs kann die Richtung geändert werden – etwa um Raketenabwehrsystemen auszuweichen.


Bild: Kremlin.ru [CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0)]

Raketenabwehrsystemen kann die neue Rakete einfach ausweichen

In einem PR-Video der Herstellerfirma wurde vor allem die zweite Fähigkeit immer wieder in den Mittelpunkt gerückt. Bisher können Raketen nämlich nach der initialen Boost-Phase nur noch minimale Korrekturen an ihrer Flugkurve vornehmen. Genau an diesem Punkt knüpfen auch Raketenabwehrsysteme an, die die vorgezeichnete Flugbahn berechnen und den Flugkörper gezielt abschießen. Kann die Avangard-Rakete allerdings tatsächlich die Flugkurve gezielt verändern, wären die meisten aktuellen Abwehrsysteme wirkungslos. Noch allerdings ist unklar, wie gut die Technologie in der Praxis tatsächlich funktioniert. Denn die russische Regierung vermeldete zwar den erfolgreichen Testflug, hielt sich mit Details aber verständlicherweise zurück. Bekannt gegeben wurde allerdings, dass die ersten neuen Raketen schon im nächsten Jahr in Betrieb genommen werden sollen.

Die Raketen könnten auch atomar bestückt werden

Mittelfristig könnte die Entwicklung der Rakete zu einem neuen Wettrüsten führen. Denn ursprünglich hatten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion 1987 vereinbart, alle bodengestützten und atomar bestückten Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern abzuschaffen. Die USA werfen Russland aber bereits seit einiger Zeit zahlreiche Verstöße gegen das Abkommen vor und wollen daher ihrerseits aus dem Vertrag aussteigen. Für diesen Fall hat Präsident Putin angekündigt, neue Atomwaffen entwickeln zu wollen. Diese könnten dann auch die neuen Hyperschallraketen bestücken. Schwer vorstellbar, dass ein solcher Schritt nicht auch in den Vereinigten Staaten neue Rüstungsanstrengungen hervorrufen würde. Für den Weltfrieden wäre es allerdings deutlich besser, wenn sich beide Seite wieder auf den Geist der 1980er Jahre besinnen und an den Verhandlungstisch zurückkehren würden.

Via: New York Post

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