Die Natur bringt auch heute noch zahlreiche ungelöste Geheimnisse mit sich. Diese Erfahrung machten nun auch Forscher der Cornell University in den Vereinigten Staaten. Denn sie schauten sich das Verhalten von mehreren bedrohten Bienenarten an. Dabei erkannten sie, dass die Tiere besonders gerne Hanfpflanzen ansteuerten. Dies erscheint auf den ersten Blick aber keinen Sinn zu ergeben. Die Pollen der Hanfpflanze werden nämlich mithilfe des Windes verteilt. Folgerichtig gibt es auch keine Blütenblätter und keinen Nektar, um die Bienen anzulocken. Auf die berauschende Wirkung des Hanfs dürften es die Tiere auch nicht abgesehen haben. Denn zum einen steuerten sie vor allem die in dieser Hinsicht harmlosen männlichen Pflanzen an. Zum anderen fehlt es den Bienen schlicht an den nötigen Rezeptoren zur Aufnahme der Stoffe. Die Wissenschaftler stehen somit vor einem Rätsel und können nicht genau erklären, was die Hanfpflanzen so anziehend für mindestens 16 unterschiedliche Bienenarten macht.


Bild: Aleks, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Rund achtzig Prozent der Nutz- und Wildpflanzen sind auf Bienen angewiesen

Ganz ohne Grund werden die Tiere die Pflanzen allerdings auch nicht ansteuern. Vielmehr gehen die Forscher davon aus, dass es sich um eine alternative Nährstoffquelle handelt. Weil Hanfpflanzen zudem mit wenig Wasser auskommen und für den Anbau vergleichsweise geringe Mengen an Chemikalien benötigt werden, sehen die Forscher hier eine Chance, etwas gegen das zunehmende Bienensterben zu unternehmen. Hanfplantagen könnten somit in Zeiten der Blumenarmut die Bienen versorgen und so dazu beitragen, dass deren Bestäubungsdienste bei anderen Pflanzen weiter stattfinden. Dies wäre auch aus volkswirtschaftlicher Sicht von Bedeutung. Denn rund achtzig Prozent der Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung der Bienen angewiesen. Forscher gehen davon aus, dass durch die Arbeit der kleinen Tiere weltweit pro Jahr ein Mehrwert von rund 65 Milliarden Euro geschaffen wird. Ohne Gegenmaßnahmen könnte es damit aber schon bald vorbei sein.

Menschliche Aktivitäten sorgen für den Rückgang der Bienenvölker

So gehen Schätzungen des Deutschen Imkerbundes davon aus, dass sich die Zahl der Bienenvölker alleine in Deutschland in den letzten knapp siebzig Jahren fast halbiert hat. Weltweit sieht der Trend nicht wirklich besser aus. Verantwortlich dafür ist vor allem die Tatsache, dass den Insekten immer stärker der natürliche Lebensraum geraubt wurde. Dies liegt unter anderem an der intensiven Landwirtschaft mit vielen Monokulturen und dem Einsatz von Pestiziden. Aber auch menschliche Bautätigkeiten haben für die Versiegelung von Flächen gesorgt und so zum Verlust von Pflanzenvielfalt beigetragen. Die industrielle Hanfanbau könnte den Forschern zufolge dazu beitragen, die so entstandene Problematik zu entschärfen. Grundsätzlich darf Nutzhanf auch in Deutschland legal angebaut und vermarktet werden. Bisher fehlt es allerdings in vielen Fällen an industriellen Prozessen, um den Rohstoff weiter zu verarbeiten. Als Genussmittel wurde Cannabis anders als in einigen US-Bundesstaaten hierzulande hingegen noch nicht legalisiert.


Via: Environmental Entomology

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