Roman Hagelstein gehört zu den 2 % der Menschen, die weltpolitische Ereignisse mit erstaunlich großer Wahrscheinlichkeit voraussehen können. Seine Fähigkeit wurde im Rahmen eines US-amerikanischen Smart Crowd Projektes festgestellt, obwohl dieses eigentlich ein ganz anderes Ziel verfolgte.


Manche sehen mehr als andere … Bild: Eye, randychiu, Flickr, CC BY-SA 2.0

Psychologieprofessor wollte die »Weisheit der Masse« nutzen

Der amerikanische Psychologieprofessor, der während seiner Arbeit die sogenannten »Superforecaster« und damit auch Roman Hagelsteins Talent entdeckte, wollte im Rahmen seiner Forschung eigentlich nur die Weisheit der Masse nutzen, um politische Prognosen zu erstellen. Dabei stellte er allerdings fest, dass ein kleiner Prozentsatz der etwa 20.000 am Projekt beteiligten Menschen weit überdurchschnittlich häufig mit ihren Voraussagen richtig lag. Roman Hagelstein war einer von diesen Koryphäen, er berichtete im Interview mit Deutschlandfunknova von seinen besonderen Fähigkeiten.

Seine Prognosen erstellt er nicht rein impulsiv, sondern er gleicht den sogenannten »Inside View« mit dem »Outside View« ab. Der Inside View, das sind seine persönlichen Kenntnisse und Erfahrungen, währen der Outside View aus rein statistischen, wissenschaftlich belegbaren Werten besteht. Soll Hagelstein also die Wahrscheinlichkeit errechnen, mit der ein bestimmtes Brautpaar lebenslang zusammenbleibt, würde er die allgemeine Scheidungsrate als Basiswert heranziehen, um diesen Prozentsatz anschließend entsprechend seiner Kenntnisse über dieses spezielle Brautpaar zu verändern.


Superforecaster sind nicht unbedingt intelligenter als andere Menschen

Gern arbeitet Hagelstein im Team mit anderen Superforecastern, die bei politischen Vorhersagen manchmal auch gemeinsam in die Vergangenheit blicken. Wie lange ein italienischer Premierminister im Amt verbleibt, lässt sich nämlich am besten dann voraussagen, wenn man weiß, wie lange die bisherigen Amtsinhaber verweilten. Dann kommen aber noch die aktuellen politischen Bedingungen hinzu, die sicherlich etwas schwerer einzuschätzen sind. Superforecaster sind nicht unbedingt intelligenter als die Masse, sie konsumieren aber überdurchschnittliche viele politische Wissensmedien und besitzen ein gutes Gefühl für Wahrscheinlichkeiten und Statistik. Mit ihren Vorhersagen liegen sie deutlich näher an der Realität als fachkundige Experten: Hagelstein führt diese Tatsache darauf zurück, dass Wissenschaftler mit zu viel »Inside View« belastet sind, die Nähe zum eigenen Themengebiet also extrem hoch ist. Forscher können jedoch wunderbar das passende Basiswissen bereitstellen, während die Forecaster dieses nach Priorität ordnen und daraus ihre Schlüsse ziehen.

Quelle: deutschlandfunknova.de

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