Dass diverse Organisationen und Forschungseinrichtungen auf die Mithilfe von Laien setzen, um Daten für ihre Forschung zu erhalten, ist kein neues Konzept. Egal ob Vögel zählen, Luft- und Wetterdaten sammeln oder sogar Satellitenbilder auswerten: Auch als wissenschaftlich nicht ausgebildeter Mensch kann man die Forschung unterstützen. Dank neuer digitaler Tools ist das nun so einfach wie nie.


Bürger erfassen Daten für die Wissenschaft

Wissenschaftliches Arbeiten kann auch reine Fleißarbeit sein. Für viele Studien werden große Mengen Daten benötigt. Diese lassen sich oft mit Sensoren, Satelliten oder smarter Software sammeln. Nach wie vor sind aber in vielen Bereichen zwei gesunde Augen und Hände schwer zu ersetzen sind.


Daher gibt es inzwischen Tausende Bürger, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich Daten sammeln, Messwerte erfassen, Fotografien anfertigen oder diverse Umstände Dokumentieren. Alles im Auftrag der Wissenschaft und für angesehene Organisationen wie der NABU oder die NASA. Dabei handelt es sich meistens um Tätigkeiten, die nicht besonders zeitintensiv sind und manchmal sogar vor dem eigenen Bildschirm stattfinden können. Für diese Beschäftigungen hat sich inzwischen der Begriff „Citizen Science“ etabliert.

Forschung wird greifbar und demokratischer

Die Wurzeln des Konzepts gehen dabei auf das Jahr 1900 zurück. Damals rief die US-amerikanische National Audubon Society zum sogenannten „Christmas Bird Count“ auf. Diese Vogelzählung wird seitdem jedes Jahr durchgeführt, um den Bestand bestimmter Arten zu erfassen. Diese Art von Bürgerbeteiligung erhielt durch die Digitalisierung natürlich noch mehr Rückenwind. Dank Smartphones und Open-Access-Bewegungen ist es nun noch besser möglich, sich an der Wissenschaft zu beteiligen. Schnittstellen wie Apps und Internetplattformen erlauben es einer großen Zahl Menschen, sich an diversen Projekten zu beteiligen.

Neben der reinen Hilfe bei Forschungsprojekten hat die Beteiligung von Laien an wissenschaftlicher Forschung noch weitere positive Nebeneffekte. Nicht selten geht die Beteiligung der Crowd über das reine Datensammeln hinaus und es können aktiv Prozesse mitgestaltet werden. So wird die Wissenschaft für Laien greifbarer. Manche „Citizen Science“ Projekte gehen soweit, die Bürger an allen Schritten des Vorschungsvorhabens zu beteiligen – von der Entwicklung einer Problemstellung bis hin zur Auswertung der Ergebnisse. Auf Seiten der Forschenden profitieren die Wissenschaftler vor allem von enorm großen Datensätzen – und vielleicht sogar der ein oder anderen neuen Perspektive. Insgesamt tragen derartige partizipative Forschungsprojekte zur Demokratisierung und Transparenz der Wissenschaft bei. Außerdem werden neue Schnittstellen für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft geschaffen.

Citizen Science: Hier könnt ihr mitarbeiten

Mückenatlats

Beim Mückenatlas handelt es sich um ein typisches Citizen-Science-Projekt. Die teilnehmenden Bürger sammeln und verschicken Mücken, die dann von Spezialisten aufgearbeitet werden und bei diversen Forschungsprojekten verwendet werden. So werden die Datensätze etwa verwendet, um Verbreitungskarten einzelner Arten zu erstellen.

Globe Observer: Citizen Science der NASA

Mit der App GLOBE Observer von der NASA können interessierte Bürger Umnweltbeobachtungen, mit der die Satellitenbeobachtungen der NASA ergänzt werden. Den Forschenden wird so dabei geholfen, die Erde sowie globale Umweltbedingungen zu untersuchen. In der App können Nutzer Beobachtungen zu Wolken, Bäumen, Moskito-Habitaten und der Landbedeckung zu erfassen sowie diese zu dokumentieren.

Naturgucker

Die gemeinnützige Genossenschaft Naturgucker engagiert sich dafür, Menschen für die Natur sowie deren Beobachtung zu begeistern. Dies geht über verschiedene Projekte, für die teilweise Partner ins Boot geholt wurden. Unter naturgucker.de gibt es etwa ein soziales Netzwerk für Naturbeobachter/innen. Unter artenquiz.de können Interessierte außerdem ihre eigene Artenkenntnisse testen und erweitern. Außerdem werden über die Plattform neue Bestimmungshilfen aufgebaut.

Bürger schaffen Wissen

Bürger schaffen Wissen ist eine zentrale Anlaufstelle für Erkundungswillige. Auf der Plattform werden Citizen-Science-Projekte vorgestellt, vernetzt und unterstützt. Es handelt sich quasi um eine Art Börse im Citizen-Science-Bereich, die als Gemeinschaftsprojekt von Wissenschaft im Dialog und dem Museum für Naturkunde Berlin entstand.

Naturschutzbund Deutschland: Vögel und Insekten zählen

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) sucht Jahr für Jahr Unterstützung beim Vögel zählen. Jedes Jahr am zweiten Maiwochenende findet die Aktion „Stunde der Gartenvögel“ statt, bei der alle Naturfreunde aufgerufen werden, Vögel zu erfassen und zu melden. 2019 fand diese Aktion zum 15. Mal statt – mehr als 72.000 Beteiligte aus 48.500 Gärten und Parks meldeten etwa 1,6 Millionen Vögel.

Mit der Aktion „Insektensommer“ fand 2019 erstmals auch eine vergleichbare Aktion auf Insekten bezogen statt.

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