Angefangen hat alles am österreichischen Konrad-Lorenz-Gymnasium in Gänserndorf. 2025 rief der Lehrer Fabian Schenk dort ein Handyexperiment ins Leben, das innerhalb kurzer Zeit über 70.000 Teilnehmer fand – auch an deutschen Schulen. Die wissenschaftliche Leitung des Großversuchs übernahm Oliver Scheibenbogen von der Siegmund-Freud-Universität Wien.


Symbolbild

70 Schüler in Berlin ent-digitalisierten sich selbst

Die Regeln sind einfach: Schüler, aber auch Lehrer, sind aufgerufen, freiwillig drei Wochen lang vollständig aufs Smartphone zu verzichten. Das bedeutet also, nicht nur während der Schule keinen einzigen Blick aufs Display zu werfen, sondern auch in der Freizeit. An einer evangelischen Schule in Berlin-Köpenick waren es allein 70 Schüler, die ihre eigene Ent-Digitalisierung wagten. Neugierig waren sie vor allem darauf, wie sich ein Alltag ohne Handy anfühlt.

Handyverzicht eine harte Herausforderung für Jung und Alt

Während sich Dutzende freiwillige Schüler fanden, machte an der Berliner Schule kein Lehrer vollständig mit. Aus Solidarität reichte es beim Lehrpersonal nur teilweise zum Verzicht auf soziale Medien. Tatsächlich ist das Leben ohne Handy für die meisten Menschen mittlerweile eine harte Herausforderung, die nicht jeder Schüler gleich gut überstand. Eine Schülerin erzählt, sie sei drei Wochen lang »sehr viel gechillter« gewesen, habe »Mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Brüdern verbracht und war mehr an der frischen Luft«. Oliver Scheibenbogen weist auf einen »gewissen Leidensdruck« bei Kindern und Jugendlichen durch intensive Smartphone-Nutzung hin. Er plädiert für »Grenzen, um deren Einhaltung üben zu können.«


In Wartesituationen kein einfacher Zeitvertreib mehr

Eine andere Berliner Schülerin sagte, sie »merke sehr, dass ich mein Handy im Alltag brauche und es mir echt fehlt.« Ganz besonders in Wartesituationen auf Bus und Bahn »weiß ich oft nicht, was ich stattdessen tun soll.« Die Schüler hielten ihre Erfahrungen in einem Online-Tagebuch fest und besprachen das Thema ausgiebig im Unterricht. Als die langen drei Wochen endlich vorbei waren, hielt jeder sein Smartphone gespannt in der Hand, während das Display die lang vermisste digitale Welt anzeigte. Einige hatten mehr Nachrichten bekommen als erwartet, andere viel weniger – entsprechend mischte sich Enttäuschung mit Freude.

Die stellvertretende Schulleiterin Kerstin Schwitters freute sich während des Experiments über längere Aufmerksamkeitsspannen und ein »größeres psychisches Wohlbefinden« ihrer Schülerschar. Die Medienpsychologin Katharina Scheiter von der Universität Potsdam betont: »Kinder müssten lernen, bewusst mit digitalen Medien umzugehen – und Strategien entwickeln, wann sie das Handy auch wieder weglegen.« Müsste für Erwachsene nicht dasselbe gelten?

Quelle: tagesschau.de 

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