Zu Jahresbeginn wurde in Deutschland eine neue Steuer eingeführt. Diese wird allgemein als CO2-Steuer bezeichnet und betrifft eine Vielzahl an Branchen. Am sichtbarsten wird sie allerdings an der Zapfsäule. Denn die Verkäufer von Kraftstoffen müssen seitdem 25 Euro pro Tonne Kohlendioxid für Emissionszertifikate zahlen. Die Summe begleichen sie allerdings nicht einfach aus der eigenen Tasche. Stattdessen werden die Zahlungen auf die Kunden umgelegt. Sprich: Die Preise an der Zapfsäule steigen. Der Staat wiederum will die zusätzlichen Einnahmen nutzen, um die Strompreise zu senken. Forscher des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung haben sich nun angeschaut, wie die Autofahrer auf die Preiserhöhung reagieren. Wird tatsächlich der gewünschte Effekt erreicht, dass weniger Fahrten unternommen werden? Denn nur dann würde die CO2-Abgabe ihren Zweck erfüllen.


Die Pandemie erschwerte den Forschern die Arbeit

In normalen Zeiten wäre die Aufgabe für die Forscher deutlich einfacher gewesen. Denn dann hätte man die Mobilitätsdaten einfach mit denen des Vorjahres vergleichen können. Aufgrund der Corona-Pandemie hat die Zahl der Fahrten aber auch unabhängig von den Preiserhöhungen stark abgenommen. Diesen Effekt alleine der neuen Steuer zuzuschreiben wäre unredlich. Die Wissenschaftler bedienten sich daher eines Tricks. Denn Preisschwankungen an der Zapfsäule sind keineswegs ein neues Phänomen. Stattdessen sind steigende und fallende Preise jeden Tag zu beobachten. Die Forscher nutzten nun die Daten aus Tanktagebüchern, die in der Vergangenheit für das Deutsche Mobilitätspanel erstellt wurden. Dadurch konnte herausgefunden werden, bei welchen Preisen die Menschen wie viel gefahren sind. Das erfreuliche Ergebnis: Eine Preiserhöhung um einen Cent reduzierte die zurückgelegten Strecken um immerhin 0,25 Prozent.


Bei Diesel-Fahrzeugen wirkt die Preiserhöhung noch nicht

Dies klingt erst einmal nicht nach besonders viel. Allerdings erhöhte die CO2-Steuer die Preise sogar um rund fünf Prozent. Somit ist mit einer Reduktion um 1,25 Prozent zu rechnen. Dies entspräche dann immerhin einer Einsparung von 740.000 Tonnen an CO2-Ausstoß jährlich. Alternativ könnte man auch 360.000 Autos mit Verbrennungsmotor aus dem Verkehr ziehen. Die Forscher vermuten zudem, dass der Wert in der Realität sogar noch etwas höher ausfallen könnte. Denn die Preiserhöhungen jetzt sind von dauerhafter Natur. Sie dürften also das Verhalten noch stärker beeinflussen als die normalen Schwankungen im Verlaufe eines Jahres. Allerdings brachte die Auswertung der Daten auch ein eher unerfreuliches Ergebnis mit sich. Denn bei Dieselfahrzeugen – egal ob PKW oder LKW – ließ sich der beschriebene Effekt nicht beobachten. Dies erklären die Forscher damit, dass es sich hier zumeist um die Fahrzeuge von Vielfahrern handelt, die keine annehmbaren Alternativen haben.

Via: Die Zeit

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