Richard Nixon gehört zweifelsohne zu den umstrittensten US-Präsidenten der Geschichte. Im Jahr 1974 musste er schließlich zurücktreten, um einem Amtsenthebungsverfahren zuvor zu kommen. Mit Sicherheit zu den Sternstunden seiner Präsidentschaft gehörte hingegen die erfolgreiche Mondlandung am 20. Juli 1969. Doch was heute als technologischer Meilenstein gilt, war damals auch ein gewaltiges Risiko. Denn es war keineswegs ausgemacht, dass die erstmalige Reise zum Mond vollkommen problemlos verläuft. Nixons Redenschreiber Bill Safire hatte daher in den Tagen zuvor viel zu tun. Er musste gleich zwei Reden schreiben: Eine für den Fall einer erfolgreichen Mondlandung und eine für den Fall des Scheiterns. Gehalten wurde davon dann natürlich nur eine. Der Text der Alternativversion hingegen verschwand in den Archiven.


Richard Nixon bei der Ablegung des Amtseids. Bild: Gemeinfrei

Ein Schauspieler musste die Rede einmal einsprechen

Nun aber haben sich Forscher des „Massachusetts Institute of Technology (MIT)“ mit dem Text beschäftigt. Genauer gesagt nutzten sie moderne Technologien, um Nixon die Rede nachträglich doch noch in den Mund zu legen. Dafür war ein zweistufige Verfahren nötig. Zunächst wurde für das Projekt namens „In Event of Moon Disaster“ ein Schauspieler benötigt. Dieser trug die nie gehaltene Rede vor und wurde dabei durch eine künstliche Intelligenz analysiert. Anschließend konnte der Computer sagen, welche Worte mit welchen Mundbewegungen verknüpft sind. Nun benötigten die Forscher noch eine historische Rede Nixons. Sie entschieden sich schließlich für seine Rücktrittsrede, weil auch diese in einem ernsten und traurigen Ton vorgetragen wurde. Die Technologie manipulierte die Lippen des ehemaligen Präsidenten in dem Video nun so, dass sie zu der nie gehaltenen Rede passten.

Eine Warnung vor so genannten Deep Fakes

So weit so gut. Wirklich überzeugend wird die Täuschung aber erst durch die noch fehlende Stimme. Hierfür verwendeten die Forscher Reden von Nixon aus Zeiten des Vietnamkriegs. Damit trainierten sie eine künstliche Intelligenz, die dann in der Lage war, die Stimme nachzubilden. Die so generierte Tonspur wurde schließlich mit dem Video verknüpft und es entstand eine vermeintlich historische Aufnahme. Doch wofür haben die MIT-Forscher nun die ganze Arbeit auf sich genommen? Die Antwort ist vergleichsweise simpel: Sie wollen vor der Gefahr durch solche sogenannten Deep Fakes warnen. Denn natürlich können nicht nur historischen Persönlichkeiten Worte in den Mund gelegt werden. Vielmehr sind in den letzten Monaten auch immer wieder Videos von noch aktiven Politikern aufgetaucht, in denen sie mit nie getätigten Aussagen zu hören waren. Die Forscher appellieren daher an jeden einzelnen, sich vor der Meinungsbildung erst mit der Seriosität der Quelle auseinander zu setzen.


Via: MIT

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