Tierische Bestäuber sind eine notwendige Bedingung für die Ausbildung von Früchten und Samen diverser Pflanzenarten. Vorrangig sind es Insekten, die die Pollen von einer Pflanze zur anderen tragen, aber auch Kolibris und Fledermäuse spielen dabei eine Rolle. Würden die bestäubenden Tierarten nun wegfallen oder stark reduziert werden – angesichts des zunehmenden Insektenschwundes kein ganz unrealistisches Szenario – so wären die Folgen für die Weltwirtschaft überraschend deutlich spürbar.


Eine Honigbiene entfernt sich von einer Blüte

Rückgänge bei Obst- und Rapsernte

Gerade den wichtigsten Bestäubern, den Insekten, geht es immer schlechter. Ihre Zahlen sind weltweit rückläufig und eine Kehrtwende ist nicht wirklich in Sicht. Christian Lippert und seine Kollegen von der Universität Hohenheim haben nun in einer Modellsimulation untersucht, was geschehen würde, wenn die bestäubenden Tierarten auf der Welt schlagartig wegfallen würden. Dabei berücksichtigten die Forscher auch die Tatsache, dass verschiedene Nutzpflanzen unterschiedlich stark auf Bestäuber angewiesen sind. Apfel und Kirschen etwa werden zu etwa 65 Prozent durch Tiere bestäubt, bei manchen Gemüsesorten wie etwa Kürbissen sind es sogar 95 Prozent. Getreide dagegen wird weitestgehend vom Wind bestäubt, Tiere spielen dabei eine untergeordnete Rolle.


Die Simulation der Forscher kam zu dem Ergebnis, dass ein globaler Komplettausfall der tierischen Bestäubung starke Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hätte. „ Je nach der Preiselastizität würden die kurzfristigen Verluste durch den Bestäuber-Wegfall zwischen einem und zwei Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts entsprechen“, so Lippert und sein Team.

Spürbare Schäden für die Wirtschaft

Als Resultat der fehlenden tierischen Bestäuber würde die deutsche Wirtschaft etwa 3,8 Milliarden Euro pro Jahr verlieren. Insbesondere die Erträge bei der Ernte von Äpfeln, Erdbeeren und Kirschen wären betroffen. Auch bei Raps müsste man mit deutlichen Ertragsrückgängen rechnen. Diese Ausfälle wären jedoch nur kurzfristiger Natur. Langfristig könnte sich die Landwirtschaft anpassen – etwa durch alternative Anbaupraktiken oder die Zucht von Bestäuber-unabhängigen Sorten. Leidtragend wären aber vorerst die Verbraucher: „ Die Landwirte können geringere Erträge bis zu einem gewissen Grad durch höhere Preise kompensieren. Aber der Verbraucher verliert auf jeden Fall, da er die gestiegenen Preise bezahlen muss. Deswegen wäre in jedem Fall der größte Teil des volkswirtschaftlichen Verlusts von den Verbrauchern zu tragen“, so die Wissenschaftler.

Die Forscher betonen jedoch, dass es durchaus auch denkbar wäre, dass es langfristig noch ganz andere Schäden gäbe, die bisher noch gar nicht zu beziffern sind. „ Natürlich können wir so nicht alle ökologischen Auswirkungen eines solch katastrophalen Ereignisses auf die Umwelt und den Menschen erfassen, die weit über die bloßen Schäden durch einen geringeren Ertrag hinausgehen. Aber solche Schätzungen können das Bewusstsein für die Bedeutung intakter Ökosysteme schärfen und so einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten“, so die Forscher.

via Universität Hohenheim

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