Bei der Behandlung von Krebserkrankungen wurden in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte erzielt. Trotzdem starben alleine im Jahr 2020 in Deutschland insgesamt 239.552 Menschen an Krebs. Tumore waren damit die zweithäufigste Todesursache und für insgesamt rund jeden vierten Todesfall verantwortlich. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Forscher in aller Welt an neuen Behandlungsmethoden arbeiten. Viele Hoffnungen werden mit der sogenannten FLASH-Strahlentherapie verbunden. Vereinfacht ausgedrückt kommen dabei hochintensive und sehr kurze Strahlenimpulse zum Einsatz. Die Behandlungsdauer liegt bei unter einer Sekunde. Dadurch soll die Belastung für das gesunde Gewebe reduziert werden, während gleichzeitig der Tumor vollständig zerstört wird. Solche Bestrahlungen wurden bereits mit Elektronen, Photonen und Protonen an lebenden Organismen getestet. Bei schweren Ionen mussten sich die Forscher bisher aber auf Zellexperimente beschränken.


Foto: Non-small Cell Carcinoma of the Lung, FNA, Ed Uthman, Flickr, CC BY-SA 2.0

Die extreme kurze Behandlungsdauer reduziert die Nebenwirkungen

Am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung konnten nun erstmals entsprechende Experimente bei Mäusen durchgeführt werden. Konkret brachten die Forscher einen 150-Millisekunden-Impuls mit hochenergetischen Kohlenstoffionen zum Einsatz. Dabei zeigte sich zum einen, dass die Krebszellen tatsächlich zerstört werden konnten. Darüber hinaus gab es noch zwei weitere sehr erfreuliche Beobachtungen. Zum einen konnte nachgewiesen werden, dass das umliegende Gewebe weniger stark geschädigt wird als bei der konventionellen Bestrahlungsmethode. Dies dürfte sich durch die kürzere Behandlungsdauer erklären: Die Bestrahlung dauert sonst rund eine Minute und bei der neuen Methode weniger als eine Sekunde. Gleichzeitig reduzierte sich auch die Zahl der vom Primärtumor gebildeten Metastasen. Daraus schlossen die Forscher, dass die ultraintensive Bestrahlung auch eine gewisse systemische Wirkung entfalten kann. Dies könnte die Effektivität der Behandlung noch einmal erhöhen.

Das Ziel sind erste klinische Studien

Erstmals konnte die Behandlungsmethode mit schweren Ionen somit erfolgreich an lebenden Organismen getestet werden. Dadurch konnten die Forscher wichtige Erkenntnisse über die Mechanismen hinter der FLASH-Bestrahlung gewinnen. Daraus wiederum könnten irgendwann einmal konkrete Anwendungen im Bereich der Krebsbehandlung abgeleitet werden. Bis dahin haben die Forscher aber immer noch einen weiten Weg vor sich. So räumen die Forscher ein, dass noch einiges an Forschungsarbeit geleistet werden muss, bevor überhaupt an erste klinische Studien gedacht werden kann. Im Mittelpunkt muss dabei die Frage stehen, wie die Bestrahlung so gestaltet werden kann, dass der Tumor möglichst effektiv bekämpft werden kann, während gleichzeitig die unerwünschten Nebenwirkungen im Rahmen bleiben. Bis die FLASH-Therapie mit schweren Ionen also standardmäßig beim Kampf gegen den Krebs zur Verfügung steht, dürften noch einige Jahre vergehen. Zumindest konnten die Forscher aber wichtige Fortschritte bei der Grundlagenforschung machen.


Via: GSI

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