Übergewicht wird vor allem in Industrieländern zunehmend zu einem Problem. Am besten lässt sich Gewichtsverlust ohne Frage durch eine gesunde Ernährung und Bewegung erreichen. Aber die Realität ist nun einmal, dass es Menschen gibt, denen das leichter fällt als anderen. Deswegen gibt es durchaus eine Berechtigung für medizinische Behandlungsmethoden gegen starkes Übergewicht – zumindest, solange sie kontrolliert entwickelt werden und eine bewiesene Wirkung haben. Forscher aus den USA und Dänemark haben ein Protein entdeckt, dass unter Umständen zur Therapie von Übergewicht verwendet werden kann.


Tierversuche verliefen vielversprechend

Das neu entdeckte Protein tritt normalerweise bei Patienten mit Krebs im Endstadium auf und ist verantwortlich für die sogenannte tumorinduzierte Anorexie, die zur starken Gewichtsabnahme der Patienten führt. Entdeckt wurde das Protein namens „growth differentiation factor-15“ (GDF15) von vier verschiedenen Pharmazie-Unternehmern, die ihre Entdeckung unabhängig voneinander veröffentlichten.


Das Protein wirkt an einem Rezeptor namens GFRAL, der sich im Gehirn in den Arealen findet, die für Übelkeit und Appetit zuständig sind. Aufgrund des Wirkmechanismus kamen die Forscher auf die Idee, GDF15 zur Behandlung von Übergewicht einzusetzen. Um diese Idee zu testen, erschufen dänische Forscher um Sebastian Beck Jørgensen eine Gruppe Mäuse, die nicht fähig war, GRAL-Rezeptoren zu bilden. Die Tiere wurden dann mitsamt einer Kontrollgruppe mit fettreicher Nahrung gefüttert, bis sie 20 – 40 Gramm zugenommen hatten. Anschließend wurden beide Gruppen mit GDF15-Injektionen behandelt. Die Mäuse ohne GFRAL-Rezeptoren verloren kein Gewicht, während die Kontrollgruppe in diesen 4 Wochen etwa die Hälfte des zugenommenen Gewichts wieder verlor.

Andere Unternehmen führten ähnliche Experimente durch, unter anderem auch mit Affen. Diese führten zu ähnlichen Ergebnissen.

Kein Medikament kann eine gute Ernährung ersetzen

Mittelfristig soll GDF15 auch in klinischen Studien getestet werden. Allerdings gibt es Bedenken bezüglich der Tatsache, dass das Protein auch das Hirnareal wirkt, das für Übelkeit zuständig ist. Zwar zeigten die Affen im Experiment mit GDF15 keinerlei Anzeichen von Übelkeit, aber daraus ergibt sich weder, dass den Affen nicht doch übel war, noch dass die Ergebnisse bei Menschen gleich wären. Mit Gewissheit sagen lässt sich das erst, nachdem GDF15 an Menschen getestet wurde.

Medikamentöse Behandlungen können eine Veränderung des Lebensstils nicht ersetzen, wenn es um Gewichtsabnahme geht. Menschen mit starken Übergewicht fällt es jedoch oft schwer, das überflüssige Gewicht wieder zu verlieren. Wenn die Behandlung mit einem Medikament entsprechend psychologisch begleitet wird, kann sie sehr hilfreich sein – und wenn sich die ersten Ergebnisse mit GDF15 auch in klinischen Studien wiederholen lassen, würde es sich um eine mächtige Waffe im Kampf gegen Übergewicht handeln.

via sciencemag.org

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