Die Mehrheit der Weltbevölkerung lebt weniger als 100 Kilometer von der Küste entfernt. Schon seit vielen Jahren versuchen Wissenschaftler daher, die gewaltige Energie der Gezeiten zur Stromproduktion zu nutzen. In der Theorie ist dies vergleichsweise einfach: Es werden Turbinen installiert, die durch den Wechsel von Ebbe und Flut angetrieben werden. In der Praxis haben sich die Bedingungen allerdings als extrem herausfordernd erwiesen. Da sind zum einen die gewaltigen Kräfte des Wassers. Hinzu kommt, dass es sich um Salzwasser handelt und zudem auch noch Sand und Gestein mitgeführt wird. Dies sorgte dafür, dass die meisten bisher installierten Gezeitenkraftwerke relativ schnell kaputt gingen. Reparatur- und Wartungsarbeiten auf hoher See sind allerdings mit hohen Kosten verbunden, was einen wirtschaftlichen Betrieb erschwerte.


Foto: Scottrenewables

Der Strom wurde direkt auf den Orkney Inseln verbraucht

Vor der Küste der schottischen Orkney Inseln könnte nun allerdings ein Durchbruch gelungen sein. Denn dort haben Forscher eine 2MW-Turbine namens SR2000 im Meer versenkt, die ein Jahr lang konstant Strom produzierte. In dieser Zeit wurden immerhin 3 Gigawattstunden Strom produziert – was in etwa dem Verbrauch von 830 britischen Haushalten entspricht. Es handelte sich auch nicht um ein rein technisches Experiment, sondern der Strom wurde tatsächlich in das Netz der Orkney Inseln eingespeist. Zwei Faktoren haben zu diesem Erfolg beigetragen: So wurden größere und stabilere Rotoren als in der Vergangenheit verwendet. Dies hatte zur Folge, dass auch bei niedrigeren Fließgeschwindigkeiten ausreichend Strom produziert werden konnte. Dadurch wiederum konnte die Turbine an einer gut erreichbaren Stelle installiert werden, sodass die Wartungsarbeiten einfach von einem Boot aus durchgeführt wurden.

Ein marktreifes Produkt soll zeitnah fertiggestellt werden

Inzwischen wurde die Turbine wieder aus dem Wasser geholt und die Testphase abgeschlossen. Die beteiligten Ingenieure arbeiten nun daran, aus dem Prototypen ein marktreifes Produkt zu machen. Ein Großteil der Arbeit schein allerdings schon erledigt zu sein: Die Entwicklung soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Anschließend ist eine weitere Testphase vor der Küste Schottlands geplant, bevor mit der Vermarktung der Gezeitenkraftwerke begonnen wird. In der Vergangenheit wurde auch in Kanada intensiv an der Entwicklung von Gezeitenkraftwerken gearbeitet. Dort hat die Insolvenz des Unternehmens OpenHydro allerdings zu Turbulenzen geführt. Der Erfolg vor der schottischen Küste könnte dem Thema nun wieder Auftrieb verleihen.


Via: Treehugger

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