Kein Tier fordert mehr Menschenleben als die Mücke. Sie trägt indirekt die Verantwortung für mehr als eine Million Todesfälle pro Jahr. Besonders gefährlich ist die Gelbfiebermücke Aedes aegypti, die Dengue, Chikungunya, Zika und Gelbfieber überträgt. Bisher lebt sie vor allem in tropischen und subtropischen Regionen, doch die Erderwärmung erschließt ihr neue Lebensräume. Sie wurde zuletzt sogar bei der Fortpflanzung in Großbritannien nachgewiesen, wobei Wissenschaftler:innen das Ansteckungsrisiko dort als sehr gering einstufen. Googles Programm Debug will der Ausbreitung nun mit einem Bakterium begegnen. Im Sommer beantragte es bei der US-Umweltbehörde EPA Genehmigungen, Aedes aegypti in Kalifornien und Florida freizulassen.


Ein Bakterium als Verhütungsmittel

Wolbachia ist eine Bakteriengattung, die auf vielen Insekten natürlich vorkommt. Meist leben die Tiere symbiotisch mit dem Mikroorganismus und zeigen keine Symptome. Dennoch beeinflusst er ihre Fortpflanzung. Aedes aegypti trägt Wolbachia von Natur aus nicht in sich. Im Labor bringen Forscher:innen das Bakterium deshalb in die Eier ein, ziehen die Tiere in großer Zahl auf und trennen sie nach Geschlecht. Nur die Männchen kommen frei.


Sie paaren sich mit wildlebenden Weibchen. Weil diese kein Wolbachia tragen, entsteht in ihren Eiern eine sogenannte zytoplasmatische Inkompatibilität: Die Eier entwickeln sich nicht oder schlüpfen nicht. Mit der Zeit schrumpft die Population. Männchen stechen nicht, daher steigt das Krankheitsrisiko für Menschen durch die Freilassung nicht.

Singapur liefert die ersten Zahlen

Im Mai 2026 meldete Google aus Singapur einen Rückgang der Dengue-Fälle um 70 Prozent, wenige Monate nach den ersten Freilassungen. Eine brasilianische Studie von 2020 hatte bereits gezeigt, dass Wolbachia die Dengue-Übertragung deutlich senkt. Auch die Akzeptanz stimmt: In Singapur lehnten 97 Prozent der befragten Teilnehmer:innen den Einsatz des Bakteriums nicht ab, und der Zuspruch wuchs mit sinkenden Fallzahlen.

Chantal Vogels, Assistant Professor für die Epidemiologie mikrobieller Krankheiten an der Yale University, nennt Dengue das Hauptziel der Wolbachia-Strategien, weil das Virus aus Sicht der öffentlichen Gesundheit am wichtigsten ist. Da die Maßnahmen Aedes aegypti treffen, sinke aber auch die Übertragung der anderen Viren.

Das Problem: Die Männchen müssen immer wieder kommen

Die Methode hat einen Haken. Wolbachia etabliert sich bei der Freilassung von Männchen nicht dauerhaft in der Wildpopulation. Betreiber müssen daher über lange Zeit nachlegen, was laut Vogels logistisch schwierig und teuer ist.

Vogels und die Yale School of Public Health verweisen auf eine Alternative, den Populationsersatz. Dabei setzen Forscher:innen Männchen und Weibchen mit Wolbachia frei. Beide Geschlechter pflanzen sich fort und geben das Bakterium an ihre Nachkommen weiter. Es wirkt dann wie eine Impfung, die vor Krankheiten wie Dengue schützt. Sobald Wolbachia einen bestimmten Anteil der Population erreicht, braucht es keine weiteren Freilassungen mehr.

Sorgen vor ökologischen Folgen hält Vogels für unbegründet. Beide Strategien richten sich ausschließlich gegen Aedes aegypti und schaden weder der Umwelt noch dem übrigen Ökosystem. Angesichts der Erwärmung könnte Wolbachia damit zu den wirksamsten Mitteln gegen mückenübertragene Krankheiten zählen.

via New Atlas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.