In den ersten vier Monaten dieses Jahres sind alleine in Brasilien 1.200 Quadratkilometer Regenwald zerstört worden. Dies entspricht einem Anstieg von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Schon in den Jahren zuvor ist die Entwaldungsrate allerdings regelmäßig angestiegen. Dafür verantwortlich waren auch die politischen Rahmenbedingungen. Denn die Regierung unter Präsident Lula da Silva legte in den Jahren 2003 bis 2011 sehr viel Wert auf den Schutz des Regenwaldes. Als dieser nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten durfte, verlor das Thema zunächst schleichend an Bedeutung. Nachdem im Jahr 2012 mit lediglich 4.600 zerstörten Quadratkilometern ein neuer Rekordwert erreicht wurde, stiegen die Zahlen danach daher wieder an. Im Präsidentschaftswahlkampf 2018 forderte der heutige Präsident Jair Bolsonaro dann eine stärkere wirtschaftliche Nutzung des Regenwalds.


Die Armee wurde schon öfter im Amazonasgebiet eingesetzt

Folgerichtig explodierte die Entwaldungsrate dann auch unter seiner Präsidentschaft – und scheint in diesem Jahr einen neuen traurigen Höhepunkt zu erreichen. Denn das Ende der Regenzeit im Mai sorgt in der Regel dafür, dass die Zahl der Rodungen noch einmal zunimmt. In diesem Jahr allerdings scheint die Regierung dies nicht mehr ganz so unbekümmert hinnehmen zu wollen wie bisher. Denn Vizepräsident Hamilton Mourão kündigte einen Militäreinsatz namens „Operation Grünes Brasilien 2“ an. Die Soldaten sollen illegale Aktivitäten im Amazonas-Gebiet unterbinden. Ganz neu ist die Idee nicht: Auch Präsident Lula da Silva setzte beim Schutz des Regenwaldes auf die Hilfe der Armee. Im vergangenen Jahr wurden die Soldaten zudem bereits in dem Gebiet eingesetzt, um die damals wütenden Waldbrände unter Kontrolle zu bekommen. In diesem Jahr sollen sie sich nun auf den Schutz vor illegalen Rodungen konzentrieren.


Der Schutz des Regenwaldes scheint keine besondere Priorität zu haben

Umweltschützer kritisieren die Regierung allerdings trotzdem stark für den mangelnden Schutz des Regenwaldes. Sie verweisen darauf, dass es sich beim Einsatz des Militärs um reine Symbolpolitik handelt. Denn den Soldaten mangelt es schlicht an den erforderlichen Fachkenntnissen, um einen wirksamen Schutz gewährleisten zu können. Diese Expertise ist hingegen bei den örtlichen Behörden und Organisationen vorhanden. Hier wäre eine bessere finanzielle Ausstattung daher deutlich sinnvoller. Außerdem sendet die brasilianische Regierung keine eindeutigen Signale in Sachen Schutz des Regenwaldes. Während Vizepräsident Mourão um internationale Unterstützung wirbt, lassen einige politische Entscheidungen Zweifel an der Entschlossenheit aufkommen. So werden Forstkonzessionen inzwischen vom wirtschaftsfreundlichen Landwirtschaftsministerium vergeben. Außerdem sieht ein aktueller Gesetzesentwurf die umstrittene Legalisierung besetzter Staatsgebiete vor. Umweltschützer fordern daher eine klare und konsistente Gesamtstrategie anstelle eines eher wirkungslosen Militäreinsatzes.

Via: FAZ

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1 Kommentar

  1. Andro Wegner

    9. Juni 2020 at 22:12

    Die wollen einfach ihre Handelsbeziehungen nicht aufs Spiel setzen. Ich hoffe, die EU fällt darauf nicht rein.

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