Im öffentlichen Personennahverkehr kommt die Elektrifizierung der Flotten nur langsam voran. Verantwortlich dafür sind unterschiedliche Gründe. Zum einen gab es lange Zeit keine entsprechenden Modelle deutscher Hersteller. Die Fahrzeuge mussten daher in China gekauft werden – was Probleme bei Wartung und Reparaturen mit sich brachte. Viele Feldversuche zeigten aber auch schlicht: Der Betrieb lohnte sich nicht, weil die Busse zu viele Standzeiten aufgrund der notwendigen Ladevorgänge hatten. Der Energieversorger EnBW testet daher nun gemeinsam mit der israelischen Firma ElectReon einen neuen Ansatz: Die Busse sollen während der Fahrt induktiv geladen werden. Das dahinter stehende Prinzip dürfte vielen bereits vom eigenen Smartphone bekannt sein. Wird das Gerät oberhalb einer entsprechenden Spule platziert, lädt es ganz ohne Kabelverbindung.


Bild: EnBW

Die Busse sollen mehrmals die Stunde fahren

In Karlsruhe soll dies nun im großen Stil umgesetzt werden. Denn geplant ist nicht einfach eine induktive Ladestation. Stattdessen sollen einige Straßen so ausgerüstet werden, dass die Akkus der Busse während der Fahrt geladen werden. Erstmals umgesetzt werden soll das Konzept auf dem hauseigenen EnBW-Gelände. Konkret ist geplant, ein neues Ausbildungszentrum an den öffentlichen Personennahverkehr anzubinden – und zwar mit mehreren Bussen pro Stunde in den Hauptverkehrszeiten. Den Betrieb der Busse werden die Verkehrsbetriebe Karlsruhe übernehmen. Dies bringt einen großen Vorteil mit sich: Das Unternehmen kann so auf privatem Gelände Erfahrungen sammeln, die sich dann später einmal für entsprechende Projekte im öffentlichen Raum nutzen lassen. Tatsächlich ist schon jetzt vorgesehen, dass später einmal auch die an das Gelände angrenzende Straße entsprechend umgerüstet wird.

In Israel und Schweden ist die Technologie bereits im Einsatz

Schon im nächsten Monat soll mit den ersten Straßenbauarbeiten begonnen werden. Entwickelt wurde die dahinter stehende Technik von der israelischen Firma ElectReon. Dabei werden Induktionsspulen in den Fahrbahnbelag integriert. Als Gegenstück dienen Empfängerspulen unterhalb der Busse. Bewegen sich die Fahrzeuge nun auf einer entsprechend umgerüsteten Strecke,kommen d gelangt elektrische Energie über ein Magnetfeld in den Akku. Den Angaben von EnBW zufolge handelt es sich um eine Art Vorreiter-Projekt in Mitteleuropa. Denn während es in Israel und Schweden bereits ähnliche Projekte gibt, mangelt es hierzulande noch an Teststrecken für die vergleichsweise neue Technologie. In Karlsruhe soll sich nun zeigen, ob sich der vergleichsweise große Aufwand für die Installation der Induktionsspulen tatsächlich lohnt. Von diesen Erkenntnissen können dann auch andere Städte und Gemeinden profitieren.


Via: EnBW

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1 Kommentar

  1. Mister Lo

    28. August 2020 at 23:38

    Wie viele Millionen an öffentlichen Förderungen (Steuergeldern) werden hier wieder sinnlos versenkt?? Das Ergebnis steht schon vorher fest: Nicht wirtschaftlich für den Serieneinsatz!

    Bei induktiver Energieübertragung kann man unter idealen Laborbedingungen (Schmaler Luftspalt zwischen den Spulen von kleiner 10cm, optimierte Positionierung, extrem hochwertige Spulenmaterial, geringe Magnetfeldstreuung…) 90% Wirkungsgrad erreichen. Nur diese Bedingungen gibt es nicht im Strassenverkehr!

    Schon alleine der Aufwand, über Kilometer die Spulen zu vergraben geht in die Millionen. Dazu noch die Frage, ob die ganze Stecke gleichzeitig magnetisiert werden soll (99% des Magnetfelds werden nicht genutzt) oder nur der Teil der Strecke, auf der Busse fahren. Das wiederum erhöht den Aufwand zur Steuerung erheblich.

    Die Frage nach den starken Elektromagnetischen Feldern, die dabei erzeugt werden müssen, und die die Fahrgäste voll abbekommen werden, stellt sich wohl niemand wirklich. Es sind nicht nur 10 oder 20 W Leistung wie beim Handy. Für die Fahrzeuge sind es bestimmt über 100kW. Dafür müssen die Kupferkabel und die Spulenleitungen schon ganz schön dick werden….

    Meiner bescheidenen Meinung nach wird man am Ende feststellen, das der Gesamtwirkungsgrad dabei zwischen 20 und bestenfalls 50% liegen wird……

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