Wer sich des Öfteren mit bestimmten Personengruppen unterhält, der wird folgende Argumentationsmuster wiedererkennen: Die Pharmaindustrie hält Medikamente zurück, die Automobilkonzerne haben schon lange effektive, funktionierende Wasserstoffautos und kalte Fusion ist eigentlich auch schon länger keine Illusion mehr. Einige dieser und ähnlicher Thesen sind hanebüchen. Eine von ihnen scheint sich nun aber zu bewahrheiten: Scheinbar wusste der Ölkonzern Exxon Mobil bereist vor 30 Jahren über den Zusammenhang zwischen fossilen Brennstoffen und dem Klimawandel Bescheid und verschwieg diesen.


Exxon
Foto: Exxon, Mike Mozart, Flickr, CC BY-SA 2.0

Erste Hinweise im Jahr 1981

Damit hätte Exxon Mobil diese Zusammenhänge insgesamt 7 Jahre bevor sie in der Öffentlichkeit diskutiert wurden erkannt. Diese Informationen gehen aus einer Mail von Lenny Bernstein, der 30 Jahre in der Ölbranche tätig war, einige davon bei Exxon, an Alyssa Bernstein von der Ohio University hervor.

Bernstein war eine Zeit lang bei Exxon als Klima-Experte angestellt und behauptet, dass Exxon erstmals 1981 von den möglichen Auswirkungen des Unternehmens auf den Klimawandel erfuhr. Dies geschah im Rahmen der Debatte, ob Exxon in Südostasien ein großes Gasfeld erschließen soll. Das Gasfeld war auch als Natuna bekannt und enthält neben natürlichem Erdgas auch viel Kohlenstoffdioxid, einen der großen Faktoren beim Klimawandel. “Exxon first got interested in climate change in 1981 because it was seeking to develop the Natuna gas field off Indonesia. When I first learned about the project in 1989, the projections were that if Natuna were developed and its CO2 vented to the atmosphere, it would be the largest point source of CO2 in the world and account for about 1% of projected global CO2 emissions”, schreibt Bernstein in seiner Mail.


Exxon war also darüber informiert, dass bei der Erschließung von Natuna das CO2 in die Erdatmosphäre gelangen würde und das Gasfeld zur weltweit größten Treibhausgasquelle werden würde. Laut Bernstein entschloss sich die Unternehmensleitung deshalb, das Feld nicht zu erschließen.

Exxon wusste 7 Jahre früher Bescheid

Diese Informationen sind vor allem deshalb brisant, weil die erste öffentliche Erwähnung der Gefahr eines Klimawandels im Jahr 1988 stattfand. Der Klimaforscher James Hansen stellte auf einem Kongress Ergebnisse vor, nach denen Treibhausgase, allen voran CO2, eine Veränderung des Weltklimas versacht.

What it shows is that Exxon knew years earlier than James Hansen’s testimony to Congress that climate change was a reality; that it accepted the reality, instead of denying the reality as they have done publicly, and to such an extent that it took it into account in their decision making, in making their economic calculation, so die Adressatin der E-Mail, Alyssa Bernstein, gegenüber dem Guardian.

Für die Anwältin Sharon Eubanks, die bereits einige große Fälle gegen die Tabak-Industrie verhandelt hat, gibt es ausgeprägte Parallelen zwischen Exxons Art, den Zusammenhang zwischen CO2 und dem Klimawandel abzustreiten und der Art, wie die Tabakindustrie jahrzehntelang abstritt, dass Rauchen im Zusammenhang mit Lungenkrebs steht. Nach ihrer Ansicht könnte das die Verantwortung sowie die Haftung erhöhen, denen sich Exxon letztlich stellen muss. “It starts to look like a much longer conspiracy. It’s like what we discovered with tobacco – the more you push back the date of knowledge of the harm, the more you delay any remediation, the more people are affected. So your liability can grow exponentially as the timeline gets longer”, so die Anwältin.

Trotz der Tatsache, dass das Unternehmen bereits vor 30 Jahren auf die bestehenden Gefahren hingewiesen wurde, gibt Exxon heute noch Millionen Dollar aus, um den Zusammenhang zwischen CO2 und dem Klimawandel sowie den Klimawandel selbst zu negieren.

“Instead of taking responsibility, they have either directly – or indirectly through trade and industry groups – sown doubt about the science of climate change and fought efforts to cut emissions”, klagt Bernstein in seiner Mail an.

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3 Kommentare

  1. Stefan

    14. Juli 2015 at 12:25

    Hallo,

    lt. Treehugger gab es bereits 1932 dazu schon wissenschaftliche Ergebnisse:
    http://www.treehugger.com/climate-change/scientists-1932-carbon-dioxide-heats-earth.html

    Gruß

  2. Dr. Gerhard Hofmann

    14. Juli 2015 at 16:12

    Der Klimawandel war wirklich schon früher bekannt – auch die Zwei-Graf-Grenze – siehe:
    http://www.solarify.eu/2015/03/09/999-zwei-grad-grenze/
    mfG
    Hofmann

  3. Dr. Gerhard Hofmann

    14. Juli 2015 at 16:13

    Natürlich „Zwei-Grad-Grenze“…

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