Sowohl die Zahl der Krebserkrankungen als auch die Zahl der Krebstoten steigt kontinuierlich an. Dies bedeutet allerdings keineswegs, dass bei den Behandlungsformen keine Fortschritte gemacht werden. Tatsächlich liegt die sogenannte 5-Jahres-Überlebensrate bei allen Krebsarten deutlich höher als noch in den 1980er Jahren. In den Industriestaaten ist der Anstieg der Krebserkrankungen vielmehr auf die demographische Entwicklung zurückzuführen. Konkret: Die Bevölkerung wird immer älter, weshalb sich auch die Wahrscheinlichkeit einer entsprechenden Erkrankung erhöht. In den allermeisten Fällen stellt dann eine Chemotherapie die wirksamste Form der Behandlung dar. Allerdings stößt auch diese Methode an ihre Grenzen. Denn insbesondere bei metastierten Tumoren entwickeln sich schnell Resistenzen. Der Trick: Sie nutzen spezielle Proteinpumpen, um das Chemotherapeutika wieder aus dem Inneren der Zelle zu entfernen, bevor es die gewünschte Wirkung entfalten kann.


Foto: Non-small Cell Carcinoma of the Lung, FNA, Ed Uthman, Flickr, CC BY-SA 2.0

Eine Proteinpumpe verhindert den Behandlungserfolg

Forscher an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) haben nun eine solche Proteinpumpe identifiziert. Diese trägt den Namen MRP4 und ist aus Sicht der behandelnden Ärzte ein echtes Ärgernis. Denn zum einen kommt sie bei vielen verschiedenen Krebsarten vor. Zum anderen kann sie gleich mehrere Chemotherapeutika abwehren und aus der Krebszelle hinausbefördern. Die Idee der Wissenschaftler bestand nun darin, einen Hemmstoff zu suchen, der die Arbeit der Proteinpumpe gezielt blockiert. Bei verschiedenen Tests zeigte sich, dass tatsächlich einige Mittel die gewünschte Wirkung entfalteten. Am besten geeignet scheint eine Gruppe von 1,4-Dihydropyridinen zu sein. Bisher werden diese Stoffe vor allem bei Blutdrucksenkern verwendet. Zumindest im Labor erwiesen sie sich aber auch als wertvolle Unterstützer bei der Krebsbekämpfung. Getestet wurden die Wirkstoffe an Krebszellkulturen mit und ohne MRP4-Proteinpumpe. Anschließend wurde geschaut, wie die Zellen auf die Behandlung mit Chemotherapeutika reagieren.

Die Resistenz lässt sich durch die Wirkstoffe revidieren

Bei den Krebszellen ohne Proteinpumpe war das Ergebnis wenig überraschend: Schon bei einer Dosis von 25 Mikromol starb die Hälfte der Krebszellen ab. Kam nun aber die Proteinpumpe zum Einsatz, hatte selbst die zehnfache Dosis nicht die gewünschte Wirkung. Die Krebszellen erwiesen sich also als resistent gegen die Behandlung. Dieser Effekt konnte allerdings umgangen werden, wenn die Zellen zunächst mit den 1,4-Dihydropyridinen behandelt wurden. Denn dann reichte eine Dosis von rund 33 Mikromol aus, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Die durch die Proteinpumpe entstandene Resistenz konnte also fast vollständig revidiert werden. Die Forscher halten ihren Ansatz für vielversprechend genug, um nun weitere Studien folgen zu lassen. So soll unter anderem untersucht werden, ob diese Form der Zellbehandlung möglicherweise ungewünschte Nebenwirkungen mit sich bringt. Anschließend sind klinische Studien denkbar, um zu schauen, ob der Effekt auch außerhalb des Labors auftritt.


Via: MLU

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