Die Idee liegt schon lange in der Luft, doch bislang scheiterte sie am falschen Ansatz. Forscher wollten stets das im Abwasser entstehende Faulgas zur Energieerzeugung nutzen, doch das wurde immer kompliziert und kostspielig. Zwei verschiedene neue Forschungsreihen umgehen den Faulgasprozess und nehmen den direkten Weg. Das klappt schon viel besser!


Von Louis-F. Stahl, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 de">CC BY-SA 3.0 de</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20913394">Link</a>
Von Louis-F. Stahl, CC BY-SA 3.0 de, Link

Bakterielle Energie aus Abwasser gewinnen

Ein Forscherteam an der Technischen Universität Clausthal durfte sich für ihre neue Art der Energieerzeugung sogar über den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2018 freuen. Uwe Schröder und seine Leute entwickelten eine biochemische Brennstoffzelle, die bakterielle Energie aus Abwasser in Elektronen umwandelt, um diese anschließend an eine Elektrode zu binden. Eine Kläranlage in Goslar erprobte dieses Konzept, und das mit positivem Ergebnis! Allerdings sind nicht alle Abwasseranlagen gleich, ganz im Gegenteil: Sie besitzen viele unterschiedliche technische Feinheiten, die es zu berücksichtigen gilt. Nun arbeiten die Wissenschaftler daran, ein Konzept zu entwickeln, das nicht nur in Goslar wirkt, sondern auch an allen anderen Orten. Dann rückt das autarke Klärwerk in greifbare Nähe – und vielleicht reicht es sogar noch, um das nahe Umfeld mit Strom zu versorgen.

Das Schweizer Konzept verfolgt einen anderen Ansatz

Auch in der Schweiz tut sich was: Ein junges Unternehmen namens TreaTech, das enge Beziehungen zur Universität Lausanne unterhält, hat einen ganz besonderen Wasserfilter entwickelt. Dieser Filter setzt das Abwasser unter Druck und erhitzt es dabei stark. Das sorgt zunächst einmal für eine beschleunigte Reinigung ohne Faulprozess und spart so jede Menge Zeit. Doch die neuartige Behandlung besitzt noch einen weiteren Effekt! Sie führt dazu, dass die feuchte Biomasse sich in Kohlendioxid, Methan und Wasser aufspaltet und zudem die Pflanzennährstoffe Phosphor und Stickstoff auskristallisiert. Der Schwefel wird ausgefiltert, und das methanhaltige Biogas dient als effizienter Energieproduzent. Ein Rechner prüft stetig die Zusammensetzung des Abwassers und berechnet mittels eines Algorithmus‘ die genaue Vorgehensweise. Er stellt damit sicher, dass sich das Konzept an allen Klärwerken nutzen lässt. Leider ist das Schweizer Konzept bisher ausschließlich im Labor erprobt, benötigt also noch ganz reale Praxistests. Der eingeschlagene Weg erscheint allerdings sehr überzeugend! Schließlich lässt sich Abwasser kaum vermeiden, warum also nicht gleich eine Stromquelle daraus machen?


Quelle: reset.org

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