Die Stadt Beckum hat rund 37.000 Einwohner und liegt im Regierungsbezirk Münster. Bekannt ist die Ortschaft als Hochburg des westfälischen Karnevals. Nun aber wird sie auch Schauplatz einer Deutschlandpremiere. Denn in der Stadt wird aktuell Deutschlands erstes Wohnhaus aus dem 3D-Drucker errichtet. Zuvor allerdings mussten zahlreiche bürokratische Hürden genommen werden. Denn natürlich konnte nicht einfach der Standardprozess zur Genehmigung von Neubauten verwendet werden. Stattdessen mussten an der TU München zunächst aufwändige Materialtests durchgeführt werden. Diese verliefen durchaus erfolgreich, so dass die zuständigen Beamten letztlich ihre Zustimmung erteilen konnten. Inzwischen ist in Beckum eine bewegliche Düse im Einsatz, die Schicht auf Schicht an Spezialbeton aufträgt. Pro Quadratmeter werden auf diese Weise lediglich fünf Minuten benötigt.


Bild: Stadt Beckum

Das Land fördert den Bau mit einer stolzen Summe

Insgesamt sollen mithilfe des flexiblen 3D-Druckers zwei Stockwerke mit einer Wohnfläche von jeweils achtzig Quadratmetern entstehen. Wirklich kostendeckend kann die neue Methode in Deutschland aber noch nicht zum Einsatz gebracht werden. Denn der Bau in Beckum ist nur möglich, weil die Landesregierung das Projekt mit 200.000 Euro bezuschusst. Für das Geld hätte man vermutlich das Haus auch auf konventionelle Weise errichten können. Der staatliche Zuschuss ist allerdings kein Selbstzweck. Stattdessen sollen wichtige Erfahrungswerte gewonnen werden. So sollen beispielsweise Standards definiert werden, die dann das Genehmigungsverfahren bei weiteren Bauten deutlich vereinfachen. Außerdem wird geprüft, ob sich der Einsatz eines 3D-Druckers in der Baubranche zukünftig tatsächlich rechnen könnte. Auch für diese Einschätzung werden Erfahrungen aus der Praxis benötigt.

Das Verfahren soll zur Marktreife gebracht werden

Grundsätzlich bietet die Technologie das Potenzial, die Knappheit an Wohnraum effizient zu lindern. Denn mit der Beton-Düse lassen sich Häuser nicht nur deutlich schneller errichten, sondern es werden auch weniger Ressourcen verbraucht. In vielen anderen Ländern wurden daher bereits entsprechende Pilotprojekte erfolgreich abgeschlossen. Auf dem deutschen Wohnungsmarkt gibt es allerdings eine Besonderheit. Hier sind es in der Regel nicht die hohen Kosten oder die langen Bauzeiten, die Bauherren abschrecken. Stattdessen werden Genehmigungen nur sehr langsam oder mit zahlreichen Auflagen erteilt. Außerdem werden schlicht nicht ausreichend Flächen für Neubauprojekte ausgewiesen. Beide Probleme bestehen auch weiterhin unabhängig davon, ob ein Maurer oder ein 3D-Drucker zum Einsatz kommt. Das Projekt in Beckum soll dennoch dazu beitragen, entsprechenden Systemen zur Marktreife zu verhelfen.


Via: Stadt Beckum

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