In den letzten Jahren ist die Frage, wie sich Lebensgewohnheiten auf das Risiko von Demenzerkrankungen auswirken, zu einem zentralen Thema der Forschung geworden. Eine neue große Beobachtungsstudie liefert jetzt Hinweise darauf, dass der Genuss koffeinhaltiger Getränke wie Kaffee oder Tee mit einem geringeren Risiko für Demenz und einem langsameren Abbau geistiger Fähigkeiten im Alter verbunden sein könnte. Solche Ergebnisse treffen auf reges Interesse, weil Demenz bisher kaum behandelbar ist und Präventionsstrategien dringend gebraucht werden. Langzeitstudie zum Thema Kaffee Forscher:innen aus den USA haben Daten von mehr als 130.000 Teilnehmer:innen ausgewertet, die über einen Zeitraum von bis zu 43 Jahren hinweg zu ihren Ernährungsgewohnheiten und ihrem kognitiven Gesundheitszustand befragt wurden. Die Studie zeigt, dass Menschen mit einem moderaten Kaffeekonsum von etwa zwei bis drei Tassen pro Tag im Vergleich zu denen, die wenig oder keinen Kaffee tranken, ein um rund 18 Prozent niedrigeres Risiko hatten, an Demenz zu erkranken. Ähnliche Trends wurden auch für koffeinhaltigen Tee beobachtet, wobei es bei entkoffeiniertem Kaffee keine solche Assoziation gab. Darüber hinaus berichteten diejenigen mit höherem Koffeinkonsum seltener über subjektive kognitive Einbußen – also selbst wahrgenommenen Gedächtnisverlust oder Verwirrtheit – und schnitten in einigen Tests zur kognitiven Funktion etwas besser ab. Was bedeutet das für das Verständnis von Demenzrisiken? Die Ergebnisse legen nahe, dass Inhaltsstoffe in Kaffee und Tee, vor allem Koffein, möglicherweise eine Rolle bei der Erhaltung geistiger Leistungsfähigkeit spielen könnten. Koffein und andere bioaktive Substanzen wie Polyphenole könnten Entzündungsprozesse im Gehirn dämpfen und zur Verbesserung von Stoffwechselprozessen beitragen. Dennoch betonen die Autor:innen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt: Ein solcher Zusammenhang bedeutet nicht zwingend, dass der Konsum der Getränke direkt Ursache für das geringere Demenzrisiko ist. So könnten andere Faktoren wie allgemeine Ernährungs- oder Lebensgewohnheiten ebenfalls Einfluss haben. Die Studienautor:innen sprechen davon, dass der Kaffeekonsum möglicherweise „Teil dieses Puzzles“ sei, aber nicht als alleiniger Schutzmechanismus verstanden werden dürfe. Zudem zeigte sich, dass ein höherer Konsum über die moderate Menge hinaus in dieser Untersuchung nicht zusätzlich mit einem weiter verringerten Risiko verbunden war. Dies könnte darauf hindeuten, dass ein Effekt bei moderatem Konsum am stärksten ist, während sehr hohe Mengen keine zusätzlichen Vorteile bringen – ein Muster, das auch aus anderen Forschungsarbeiten zur gesundheitlichen Wirkung von Kaffee bekannt ist. Wie gut ist Kaffee wirklich? Die Idee, dass Kaffee und Tee Einfluss auf das Demenzrisiko haben könnten, ist nicht neu. Frühere Studien lieferten bereits Hinweise auf mögliche neuroprotektive Effekte von Koffein und anderen Komponenten dieser Getränke, allerdings waren viele dieser Untersuchungen kleiner oder methodisch weniger robust. Die neue Arbeit zeichnet sich durch die lange Beobachtungsdauer und die große Teilnehmerzahl aus, was die Datenlage verbessert, aber weiterhin nicht die Ursachenfrage klärt. Für eine definitive Antwort, ob der Konsum direkt schützt, wären kontrollierte Interventionsstudien nötig, die über Jahrzehnte laufen – ein Unterfangen, das praktisch schwer realisierbar ist. Zugleich weisen Fachleute darauf hin, dass der beobachtete Zusammenhang auch durch andere Lebensstilfaktoren erklärt werden könnte, etwa durch eine insgesamt gesundheitsbewusstere Lebensführung der Kaffeetrinkenden. via Mass General Bingham Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende. Facebook Facebook Twitter Twitter WhatsApp WhatsApp Email E-Mail Newsletter