Für den Bau neuer Bahnstrecken braucht man in Deutschland viel Zeit und Geduld. So wurde die neue Schnellstrecke zwischen Wendlingen bei Stuttgart und Ulm bereits vor Jahrzehnten geplant. Mit dem Bau begonnen wurde dann im Jahr 2012. Nach einigen Verzögerungen wird die Strecke nun tatsächlich in Betrieb genommen. Im Idealfall sorgt die neue Schnellstrecke dafür, dass Passagiere schneller ans Ziel kommen. Experten warnen allerdings davor, dass sie auch recht schnell für gewaltige Verspätungen sorgen kann. Der Hintergrund: Die Strecke ist elektrifiziert und mit einem digitalen Leit- und Sicherungssystem ausgestattet. Sollte einer der ICEs auf der Strecke liegen bleiben, stehen Spezialloks bereit, um die schweren Züge im Notfall abzuschleppen. Das Problem allerdings: Auch diese Spezialloks werden elektrisch angetrieben. Kommt es also zu einer Störung bei der Stromversorgung, können sie nicht zum Einsatz kommen.


Bild: Sebastian Terfloth User:Sese_Ingolstadt, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Das Problem tritt nicht zum ersten Mal auf

Benötigt werden dann doch wieder Dieselloks. Theoretisch verfügt die Bahn auch über die entsprechenden Fahrzeuge. Allerdings fehlt hier die Kompatibilität zu dem verbauten digitalen Leitsystem. Sie dürfen daher nur mit einer speziellen Ausnahmegenehmigung überhaupt zum Einsatz kommen. Gleichzeitig wurden aber erhebliche Auflagen erlassen. So dürfen die Abschlepploks auf der Schnellstrecke nur auf Sicht gefahren werden und eine Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern nicht überschreiten. Im Notfall kann dies bedeuten, dass es mehrere Stunden dauert, einen liegen gebliebenen ICE von der Strecke zu bekommen. Ganz unbekannt ist diese Problematik nicht. Schon bei der Eröffnung der Schnellstrecke zwischen Erfurt und Leipzig im Jahr 2015 kam es auf einigen Abschnitten zu ähnlichen Schwierigkeiten. Nötig ist dies eigentlich nicht. Denn natürlich können auch Dieselloks so ausgerüstet werden, dass sie mit dem digitalen Leit- und Sicherungssystem kommunizieren können.

Die Bahn verweist auf Probleme bei einem Zulieferer

Offensichtlich hat man es bei der Bahn aber schlicht versäumt, die entsprechenden Fahrzeuge rechtzeitig zu beschaffen. Das Staatsunternehmens weist in diesem Punkt allerdings die Verantwortung von sich. So habe man bereits im Jahr 2015 entsprechende Abschlepploks bei dem französischen Unternehmen Bombardier bestellt. Dem Unternehmen gelang es dann allerdings nicht eine Zulassung für das digitale European Train Control System – kurz: ECTS – zu erhalten. Die Bahn stornierte den Auftrag daher und bestellte stattdessen bei Siemens. Der Münchener Konzern will nun Abschlepploks liefern, die mit dem Leitsystem kompatibel sind und wahlweise elektrisch oder von einem Dieselmotor angetrieben werden können. Die Auslieferung ist allerdings erst für das Jahr 2026 geplant. Bis dahin wird man mit der Notlösung der langsamen Dieselloks leben müssen. Auch für die Lokfahrer wird dies nicht zwingend ein Spaß. Denn sie müssen einen ganzen Haufen an Vorschriften und Beschränkungen beachten. Tatsächlich ist sogar vorgesehen, dass zwei Triebwagenführer mitfahren müssen, um gegenseitig die Einhaltung des Tempolimits zu kontrollieren.


Via: Stuttgarter Zeitung

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