Seit mehreren Jahrzehnten lassen sich auf Grönland die Auswirkungen der globalen Erderwärmung beobachten. Denn die Gletscher des Landes schmelzen mehr oder weniger kontinuierlich ab. Diese Entwicklung beschleunigte sich teilweise sogar stärker als von Wissenschaftlern prognostiziert. Satellitenbilder der NASA zeigen nun aber eine erstaunliche Entwicklung. Denn der Jakobshavn-Gletscher, der über Jahrzehnte ebenfalls stark an Fläche eingebüßt hat, konnte in den letzten drei Jahren jeweils an Eisdicke zulegen. Außerdem floss deutlich weniger Wasser in die Ozeane ab als in den Jahren zuvor. Im ersten Moment war dies für die beteiligten Wissenschaftler eine ordentliche Überraschung. Doch inzwischen konnte eine Erklärung für das unerwartete Phänomen gefunden werden.


Die Linien verweisen auf den Rückgang der Kalbungsfront.

Computersimulationen verwiesen auf eine wichtige Meeresströmung

Verantwortlich ist die sogenannte Nordatlantische Oszillation. Konkret handelt es sich dabei um Schwankungen innerhalb des Luftdrucks zwischen Island und den Azoren. Diese haben den Effekt, dass sich das Wasser des Atlantiks alle fünf bis zwanzig Jahre aufheizt beziehungsweise wieder abkühlt. Dies hat auch Auswirkungen auf die Wassertemperatur des Ozeans. Weil davon auch die Meeresströmung in Richtung Grönland betroffen war, profitierte auch der Jakobshavn-Gletscher. Denn die Temperatur des Wassers vor Grönland sank seit dem Jahr 2016 um rund ein Grad Celsius. Um dieses Zusammenspiel der Naturphänomene exakt zu verstehen, haben die beteiligten Wissenschaftler zahlreiche Datenreihen der Wassertemperatur rund um Grönland ausgewertet. Computersimulationen der Meeresströmungen brachten die Forscher dann auf die richtige Spur.

Die Zunahme der Eisdicke ist nur vorübergehend

Dies bedeutet aber auch: Dauerhaft gelöst ist das Problem der Gletscherschmelze damit nicht. Denn sobald die Nordatlantische Oszillation den Atlantik wieder aufwärmt, dürfte sich auch die Eisdicke des Jakobshavn wieder deutlich verringern. Dann kommt auch ein Problem wieder stärker zum Tragen, das seit Anfang des Jahrtausends existiert. Denn damals brach das Schelfeis – also der Teil des Gletschers, der auf dem Wasser liegt – ab. Dadurch wiederum nahm der Wasserabfluss in den Ozean deutlich zu. Dieser Effekt hielt rund 15 Jahre an, bis die vorübergehende Erwärmung des Ozeans für eine überraschende Umkehr dieser Entwicklung sorgte. Der Jakobshavn-Gletscher hat allerdings auch vorher schon regelmäßig Eisberge ins Meer abgegeben. Einer davon soll 1912 sogar Geschichte geschrieben haben, indem er mit der legendären Titanic kollidierte.


Via: NASA

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