Die Stromnetze in Deutschland sind darauf ausgelegt, Firmen und Privathaushalte sicher mit Energie zu versorgen. Oftmals wurden sie allerdings zu einer Zeit installiert, als von Elektroautos noch keine Rede war. Dementsprechend stehen die Netze nun vor einer neuen Herausforderung, weil mit mehr Elektroautos auch die Nachfrage stark ansteigen dürfte. Verstärkt wird die Problematik potentiell noch durch den sogenannten Tagesschau-Effekt. Damit wurde ursprünglich das Phänomen beschrieben, dass Abends um 20:00 Uhr besonders viele Fernseher angestellt werden. Übertragen auf die Elektroautos bedeutet dies: Die Ladezeiten verteilen sich nicht konstant über den Tag, sondern konzentrieren sich auf bestimmte Zeiten – etwa weil viele Menschen zeitgleich von der Arbeit nach Hause kommen. Für diesen Fall rechnen Experten mit einer sehr hohen Belastung für die Stromnetze.


Die Elektroautos wurden zumeist von Pendlern genutzt

Um die Problematik genauer zu verstehen, hat der Verteilnetzbetreiber NetzeBW, der zum Energienkonzern EnBW gehört, nun einen ersten Feldversuch unternommen. Schauplatz dafür war die Belchenstraße in Ostfildern-Ruit in der Nähe von Stuttgart. Dort wurden zehn Familien mit einem Elektroauto und einer Wallbox zum Laden ausgestattet. Die Häuser in der Straße wurden in den 1980er Jahren gebaut und an das Stromnetz angeschlossen. Außerdem werden sie von einem Stromkreis mit Elektrizität versorgt, wodurch sich die Ergebnisse besonders gut auswerten lassen. Wie die Familien ihre Elektroautos nutzen, wurde ihnen nicht vorgeschrieben. Vielmehr sollte ein realistisches Bild der Alltagsnutzung gewonnen werden. Bekannt ist allerdings, dass viele der Hausbesitzer täglich rund 30 bis 40 Kilometer zur Arbeit fahren.


Der Tagesschau-Effekt war nicht zu beobachten

Die Ergebnisse dieses ersten Feldversuchs sind weitgehend erfreulich. So erwies sich die Belastung für das Niederspannungsnetz als geringer als erwartet. Die Hauptursache: Der Tagesschau-Effekt trat nicht so ein wie erwartet. Tatsächlich wurden niemals mehr als vier Fahrzeuge gleichzeitig aufgeladen. Dadurch entstanden weniger Nachfragespitzen, was die Steuerung deutlich vereinfachte. Zudem wurde in der zuständigen Trafo-Station eine Art Frühwarnsystem getestet. Durch eine detaillierte Überwachung der Belastung des Stromnetzes sollen Probleme zukünftig frühzeitig erkannt werden. Auch dieses System funktionierte unter den realen Bedingungen. Allerdings sind Privathaushalte nur ein Teil des Problems. Ebenso schwierig dürfte es sein, die Nachfrage von Schnellladestationen und größeren Ladeparks zu befriedigen.

Via: Edison

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1 Kommentar

  1. Rudi Seibt

    6. Februar 2019 at 20:39

    DIN18015 beschreibt die Gleichzeitigkeit von Haushaltsleistungen graphisch als Erfahrungswert.
    1 Haushalt 14kW Pmax, 100 Haushalte 140kW Pmax (statt 1.400!)
    Gleiches ist auch bei E-Cars im privaten Breeich zu erwarten. ANders bei Flotten (z.B. Stadtbusse oder Großbäckereien). Hier sammelt Fa. Baumann in München und sicher viele andere gerade Erfahrungen.

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