Klausuren und mündliche Prüfungen sind heutzutage das Mittel der Wahl, um zu überprüfen, wie viel jemand gelernt hat. Beide Verfahren sind allerdings alles andere als perfekt. So kommen einige Menschen mit Drucksituationen schlicht besser klar, während andere in solchen Momenten nicht ihr komplettes Wissen abrufen können. Eine Gruppe von US-Wissenschaftlern hat daher nun eine mögliche Alternative untersucht: Den Gehirnscan. Konkret wurde per Magnetresonanztomographie die Hirnaktivität von Studenten aufgezeichnet. Untersucht wurden zwei Gruppen: Studenten mit physikalischem Vorwissen und solche ohne entsprechende Kenntnisse. Alle Probanden sollten jeweils die Wirkungsweise von physikalischen Kräften in bestimmten Situationen erklären. Das erstaunliche Ergebnis: Bei der Magnetresonanztomographie ließen sich tatsächlich Unterschiede zwischen den beiden Gruppen erkennen.


Foto: By NIMH [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Gehirnscan lies auf die Testergebnisse schließen

Anschließend mussten die Probanden noch zu einem klassischen Multiple-Choice-Test antreten. Ein Vergleich zwischen den Testergebnissen und den Bildern der Gehirnscans lies auch hier einen deutlichen Zusammenhang erkennen. Demnach konnte anhand bestimmter neuronaler Muster auf das Ergebnis im Test geschlossen werden. Sollte sich dieser Befund auch im großen Maßstab bestätigen, könnte zukünftig theoretisch komplett auf Klausuren verzichtet werden. Stattdessen würden schlicht die neuronalen Aktivitäten gemessen, um zu bestimmen, ob tatsächlich Wissen vorhanden ist. Noch aber steht die entsprechende Forschungsarbeit ganz am Anfang. Bis sie tatsächlich zu belastbaren Ergebnissen führt, dürften noch einige Jahre vergehen. Der Ansatz besitzt aber zumindest das Potential ein zweites Problem von Prüfungen zu lösen: Schummeln ist dann nicht mehr möglich.

Das menschliche Gehirn wird weltweit erforscht

Das menschliche Gehirn funktioniert extrem komplex und wurde bisher noch nicht in allen seinen Funktionen vollständig verstanden. Dies bietet Wissenschaftlern in aller Welt aber natürlich auch die Möglichkeit, noch viel zu entdecken. So arbeiten Forscher am Massachusetts Institute of Technology aktuell daran, durch einen Gehirnscan frühzeitige Hinweise auf eine Depression zu erhalten. Dadurch könnte die Behandlung früher einsetzen und möglicherweise bessere Ergebnisse erzielen. An der Binghamton University wiederum wird daran geforscht, Gehirnscans als eindeutiges Identifizierungsmerkmal zu etablieren. Sie könnten theoretisch dann den klassischen Fingerabdruck ersetzen. Dies würde auch an der Universität ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Studenten bräuchten dann ihren Studentenausweis zur Klausur gar nicht mehr mitbringen. Stattdessen könnte ein Gehirnscan die Person erst identifizieren und dann das vorhandene Wissen beurteilen.


Via: Nature Communications

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1 Kommentar

  1. Ben

    13. Juli 2019 at 18:43

    Könnte Trendsderzukunft vielleicht wenigstens mal auf Plausibilität prüfen? Die Probanden mussten den erlernten Stoff erklären, während sie im Tomographen lagen. Das ist eine mündliche Prüfung. Wer mit Drucksituationen nicht zurecht kommt hat dabei genau das gleiche Problem wie bei einer schriftlichen oder anderen mündlichen Prüfung. Die veränderte Messung bringt also gar nichts.

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