Wer mit dem Auto in Köln unterwegs ist, muss oftmals jede Menge Geduld mitbringen. Im Schnitt stehen die Einwohner pro Jahr rund 99 Stunden im Stau. Etwas Entlastung bringen die städtischen U-Bahn-Linien. Deren Ausbau geht bisher aber nicht besonders gut voran. Bekanntestes Beispiel: Vor zehn Jahren stürzte das Kölner Stadtarchiv ein, weil es beim Bau eines neuen U-Bahn-Tunnels zu folgenschweren Mängeln kam. Zwei Menschen verloren ihr Leben. Statt lange und teure Tunnel zu bohren, wird daher nun eine andere Alternative diskutiert: Eine 33,5 Kilometer lange Seilbahn, die im Zick-Zack-Kurs insgesamt 21 Stationen auf beiden Seiten des Rheins miteinander verbindet. Diese Lösung ließe sich vergleichsweise schnell und preiswert realisieren – bringt aber auch Probleme mit sich.


Auch der Dom und die auf der anderen Rheinseite liegende Messe sollen per Seilbahn verbunden werden. Bild: Thomas Wolf, www.foto-tw.de [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)]

Eine Seilbahn ist deutlich günstiger als eine U-Bahn

Zunächst aber zu den Vorteilen: Ausgehend von ähnlichen Projekten in anderen Städten müssten für den Bau wohl nur 18 bis 24 Monate veranschlagt werden. Die Kosten lägen bei sechs bis acht Millionen Euro pro Kilometer. Grob überschlagen müsste somit für das Projekt eine Summe im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich aufgebracht werden. Das klingt zunächst einmal nach viel, relativiert sich aber im Vergleich zum U-Bahn-Bau. Ein Tunnel dort kostet pro Kilometer bis zu 250 Millionen Euro. Die aktuellen Planungen gehen davon aus, dass mit den Gondeln über den Rhein bis zu 300.000 Menschen pro Tag transportiert werden könnten. Dies würde rein rechnerisch ausreichen, um 117.000 Autofahrten überflüssig zu machen. Kein Wunder also, dass das von der Ratsgruppe „GUT“ vorgeschlagene Projekt schnell das Interesse von Politik und Verwaltung geweckt hat.

Privatleute und die UNESCO könnten protestieren

Im Haushalt des nächsten Jahres sind daher bereits einige hunderttausend Euro eingeplant, um eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Aus technischer Sicht sollte der Bau vergleichsweise gut möglich sein. Allerdings drohen zwei rechtliche Risiken. Zum einen dürfte es sich nur schwer vermeiden lassen, dass die Gondeln auch über Privatgrundstücken verkehren. Hier könnten Anwohnerproteste und langwierige Klagen die Folge sein. Hinzu kommt: Die Seilbahn würde unmittelbar am Kölner Dom vorbei führen. Bei Touristen wäre dies wohl eine beliebte Attraktion. Allerdings handelt es sich bei der Kirche um ein UNESCO Weltkulturerbe und die Wächter dort haben in der Regel nur wenig Verständnis für störende Neubauprojekte. Vor einigen Jahren gab es daher bereits Streit wegen eines Hochhauses in der Nähe. Ob eine Seilbahn bei der UNESCO mit mehr Wohlwollen betrachtet würde, darf bezweifelt werden.


Via: Süddeutsche Zeitung

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