In einer Weltpremiere haben Forscher eines israelischen Unternehmens die Wirksamkeit von THC-Mikrodosen gegen chronische Schmerzen untersucht. Die Daten zum Einsatz von Cannabis gegen chronische Schmerzen waren über die letzten Jahre hinweg sehr widersprüchlich. Mit ihrer Studie wollten die israelischen Forscher eine Datenbasis mit konstanten Dosen schaffen. Die Ergebnisse sind vielversprechend.


THC: Datenlage ist widersprüchlich

Als Mikrodosis bezeichnet man im Allgemeinen eine subtherapeutische Dosis eines Wirkstoffs. In letzter Zeit wurde der Begriff auch synonym mit winzigen Dosen psychedelischer Drogen wie LSD verwendet. Bezüglich der Wirksamkeit solcher Mikrodosierungen gibt es bisher nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse.


Speziell im Bereich Cannabis ist die Datenlage widersprüchlich. Eine Hypothese, die die Widersprüche erklären soll, ist, dass es eine große Vielfalt an Cannabis-Arten und Dareichungsformen gibt, was standardisierte Ergebnisse schwierig macht.

Ein Team des israelischen Pharma-Tech-Unternehmens Syqe Medical wollte daher die Frage nach der Wirksamkeit von THC-Mikrodosen im Kampf gegen chronische Schmerzen beantworten – und zwar ohne das Problem verschiedener THC-Dosen. Hierfür hat das Unternehmen einen Inhaler entwickelt, der die präzise Gabe kleiner Dosen ermöglicht.

Vielversprechende Ergebnisse mit Mikrodosen

Um die Wirksamkeit der Mikrodosen zu testen, wurde eine Doppelblind-Studie mit 27 Probanden mit chronischen, neuropathischen Schmerzen durchgeführt. Die Teilnehmer erhielten über drei Tage hinweg eine Dosis, die entweder 500 Mikrogramm THC, 1000 Mikrogramm (1mg) THC oder aber ein Placebo enthielt.

Die Ergebnisse waren vielversprechend: „ Both doses, but not the placebo, demonstrated a significant reduction in pain intensity compared with baseline and remained stable for 150‐min. The 1‐mg dose showed a significant pain decrease compared to the placebo

Die Forscher konnten nicht nur eine Reduzierung des Schmerzlevels zeigen, sondern es gab auch bei keinem Teilnehmer kognitive Einschränkungen, wie sie sonst mit THC einhergehen können. Die 1000-Mikrogramm-Dosis liegt etwa um den Faktor 10 unter dem Wert, der bei THC als psychoaktive Dosis gilt.

We can conclude from the study results that low doses of cannabis may provide desirable effects while avoiding cognitive debilitations, significantly contributing to daily functioning, quality of life, and safety of the patient. The doses given in this study, being so low, mandate very high precision in the treatment modality“ erklärte Elon Eisenberg, der Leiter des Projekts, die Ergebnisse.

Allgemeine Schlüsse wären verfrüht

Es wäre allerdings verfrüht, aus den Ergebnissen der Studie allgemeingültige Schlüsse zu ziehen. Zum einen ist die Teilnehmerzahl eher klein, und zum anderen untersuchte die Studie nur die akuten Kurzzeiteffekte einzelner THC-Dosen. Die Studie wurde nahezu vollständig von Syqe Medical finanziert, hat aber einen Peer-Review-Prozess durchlaufen und wurde in einem anerkannten Journal veröffentlicht.

Was die Studie in jedem Fall erreicht hat, ist, den Syqe Inhaler als valide Möglichkeit zur Gabe kleiner, präziser THC-Dosen zu bestätigen. Dies hatte sich in der Vergangenheit als schwierig herausgestellt. Perry Davidson, der CEO von Syqe, geht zudem davon aus, dass die Technologie auch für andere Wirkstoffe angewendet werden kann. „ The Syqe drug delivery technology is also applicable to opioids and other compounds that, while potentially effective, are notoriously associated with dangerous side effects. The introduction of a tool to prescribe medications at such low doses with such high resolution may allow us to achieve treatment outcomes that previously were not possible„, so Davidson.

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