Menschen mit HIV-Infektionen können dank der modernen Medizin inzwischen ein ganz normales Leben führen. Heilen kann man die Infektion aber bisher nicht. Wer einmal den HI-Virus in seiner Blutbahn hat, der wird ihn nie wieder vollständig los. Medizinern im Vereinigten Königreich ist nun eine kleine Sensation gelungen: Sie konnten einen HIV-positiven Menschen von dem Virus befreien. Nach dem „Berliner Patienten“ handelt es sich um den zweiten Menschen weltweit, der als von HIV geheilt bezeichnet werden kann.


Der Berliner Patient: Erster Heilungserfolg bei HIV-Therapie

Gelungen ist dieses Kunststück einem Team rund um Ravindra Kumar Gupta von der Universität Cambridge. Bei dem Patienten seien 30 Monate nach erfolgter Therapie keine HI-Viren im Blut mehr feststellbar. Der sogenannte „Londoner Patient“ gilt damit als geheilt.


Der erste Fall, in dem ein Mensch vom HI-Virus geheilt wurde, ereignete sich 2007 an der Berliner Charité. Mit einer experimentellen Stammzellentherapie konnten Ärzte den HIV-positiven Patienten Timothy Ray Brown komplett von dem Virus befreien. Die verwendete Therapie war indes sehr riskant und nicht für jeden HIV-positiven Patienten geeignet.

Initiiert wurde die Behandlung von dem Berliner Hämatologen Gero Hütter. Brown hatte zusätzlich zu seiner HIV-Infektion eine akute myeloische Leukämie entwickelt, die Hütter mit einer Stammzelltransplantation mit Knochenmarkzellen, die das sogenannte CCR5-Gen tragen, behandelte. Das Gen macht Resistent gegen das HI-Virus.

Hütter spekulierte darauf, dass die Behandlung mit einem Schutz gegen den HI-Virus einhergehen würde. Der Versuch gelang: Brown muss seit 2007 keine antiviralen Medikamente mehr nehmen, er gilt als von HIV geheilt.

Zweiter Behandlungserfolg seit 2007

Seit diesem Erfolg sind sechs weitere HIV-positive Menschen mit der Therapie behandelt worden. Der Londoner Patient war der zweite Mensch, der so behandelt wurde. 2012 wurde er zusätzlich zu seiner HIV-Infektion mit einem Hodgkin-Lymphom diagnostiziert. Nachdem sowohl Immun- als auch Chemotherapien scheiterten, wurde 2016 ein Knochenmarkspender gefunden, der das CCR5-Gen in doppelter Ausführung trugt. 30 Monate nach der durchgeführten Stammzellentherapie konnten beim Londoner Patienten keine HI-Viren mehr im Blut nachgewiesen werden. „ Dies ist der zweite Fall eines Patienten, der von HIV geheilt wurde„, so Gupta.

Aber auch hier muss mit dem Begriff Heilung ein wenig vorsichtig umgegangen werden. Das Blut des Patienten Timothy R. Brown wurde 2008 in zwei Laboren der University of California in San Diego und San Francisco untersucht. Das Labor in San Francisco fand dabei kleinste inaktive Viren-Bruchstücke im Blut. Seitdem wird darüber diskutiert, was solche Virenartefakte für die Patienten bedeuten.

Beim Londoner Patienten konnten solche Artefakte bisher aber nicht gefunden werden. Die Forscher entnahmen Proben seines Blutes, seiner Hirn- und Lymphflüssigkeit, seinem Sperma sowie Gewebeproben aus Magen und Darm. Der Londoner Patient soll weiterhin eng überwacht werden.

HIV: Hoffnung auf Heilung?

Auch wenn die Heilung des Berliner und Londoner Patienten eine medizinische Sensation darstellen, verbleibt der Fakt, dass Knochenmarktransplantationen eine große Gefahr darstellen. Für die meisten HIV-positiven Patienten wird die antivirale Therapie mit Medikamenten auch weiter die beste Lösung bleiben. Nur Patienten, die zusätzlich eine hämatologische Erkrankung haben, die eine Knochenmarktransplantation erfordern, kommen für die Therapie in Frage.

Im Kampf gegen den HI-Virus bleibt eine potentielle Impfung nach wie vor die größte Hoffnung auf Erfolg. Allerdings wäre es auch möglich, in Zukunft genchirurgische Methoden zu entwickeln, bei denen Knochenmarkzellen mit Hilfe der CRISPR-Genschere so verändert werden, dass sie die gleiche HIV-Resistenz entwickeln.

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