An naturbelassenen Küsten ist stets eine extrem große Artenvielfalt zu finden. So leben dort Schnecken, Seepocken und andere wirbellose Tiere. Diese nutzen vor allem kleine Spalten und Risse, um sich vor Fressfeinden und der Sonne zu schützen. Das Problem allerdings: An immer mehr Orten wird die natürliche Beschaffenheit durch menschliche Bauten ersetzt. Kaimauern, Dämme, Hafenbecken und Wellenbrecher bestehen allerdings in der Regel aus kargem Beton. Die von den Tieren genutzten kleinen Verstecke gibt es darauf nicht. Im Vergleich zu natürlichen Buchten sinkt dadurch die Artenvielfalt erheblich. Ein internationales Forschungsteam aus Hongkong hat nun eine mögliche Lösung für dieses Problem entwickelt: Spezielle Kacheln aus dem 3D-Drucker imitieren die natürlichen Begebenheiten und können einfach auf dem Beton angebracht werden.


Bild: City University of Hong Kong

Unterschiedliche Oberflächenstrukturen wurden getestet

Allerdings entstehen natürliche Risse und Spalten im Laufe von Jahrhunderten. Es gibt daher kein spezielles Muster, das einfach kopiert werden kann. Die Forscher entwarfen daher am 3D-Drucker zunächst verschiedene Designs mit unterschiedlicher Komplexität. Diese wurden dann an 27 Standorten in 14 Häfen weltweit getestet. Nach einem Jahr ließ sich dann bereits feststellen: Die neuen Kacheln haben einen nachweisbar positiven Einfluss auf die Artenvielfalt vor Ort. Welche Art der Kacheln am besten geeignet ist, hängt nicht zuletzt auch von den lokalen meteorologischen Bedingungen ab. Denn je nachdem benötigen die kleinen Tiere die Spalten vornehmlich zum Verstecken vor Raubtieren oder zum Schutz vor der Sonne. Durch weitere Tests ließe sich hier noch genauer herausfinden, welche Oberflächenstruktur für welchen Standort am besten geeignet ist.

„Green Engineering“ könnte die Umweltbelastung von Häfen reduzieren

Verstärken lässt sich der positive Effekt zudem noch durch den Einsatz von Muscheln. So brachten die Forscher an der Kaimauer in Hongkong noch die heimische Steinauster an. Auch dadurch konnte das lokale Ökosystem befördert werden. Rein wissenschaftlich ist damit der Beweis erbracht, dass Hafenanlagen auf vergleichsweise simple Art und Weise deutlich umweltfreundlicher gestaltet werden können. Ob die Verfahrensweise allerdings tatsächlich angewandt wird, müssen nun die Unternehmen und Politiker vor Ort entscheiden. Fachleute sprechen bei solchen Eingriffen in das natürliche Ökosystem auch von „Green Engineering“. Das von einem australischen Forschungsinstitut ins Leben gerufene „World Harbour Project“ hat es sich zum Ziel gesetzt, auf diese Weise die Belastung der Natur durch die Häfen zu reduzieren. Die Kacheln aus dem 3D-Drucker sind ein erstes greifbares Ergebnis des Projekts.


Via: CityU

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