Am 08. Januar mussten die europäischen Stromnetzbetreiber zu einer Art Notoperation greifen: Sie trennten die Länder im Südosten Europas vom Rest des Kontinents. Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Kroatien und die Türkei mussten daher in den sogenannten „Inselbetrieb“ wechseln. Bis heute ist noch nicht ganz klar, weshalb zu dieser drastischen Maßnahme gegriffen werden musste. Sicher ist nur, dass es in der Region zu einer signifikanten Frequenzabweichung kam. Daher war zu wenig Strom im europäischen Netz, um die nötige Frequenz von 50 Herz zu halten. Es drohte ein Blackout bei vielen Verbrauchern. Erst durch die konsequente Trennung konnte dies vermieden werden. Gleichzeitig konnten einige Großverbraucher in Frankreich und Italien dazu bewogen werden, in der kritischen Phase weniger Strom abzunehmen. Auf diese Weise stabilisierte sich die Situation nach rund einer Stunde wieder und der Blackout konnte knapp verhindert werden.


Die Verknüpfung der Netze bringt viele Vorteile mit sich

Die Geschichte zeigt zwei wichtige Aspekte auf. Zum einen ist die Stromversorgung inzwischen in weiten Teilen eine europäische Angelegenheit. Dies bringt durchaus gewaltige Fortschritte mit sich. Denn Ungleichgewichte können so besser ausgeglichen werden. Deutschland beispielsweise exportiert regelmäßig überschüssigen Ökostrom nach Tschechien. Gleichzeitig kann im Bedarfsfall auf Stromimporte aus Frankreich gesetzt werden, um die Netzstabilität zu garantieren. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber eben auch: Lokale Schwierigkeiten können schnell auch einmal zu einem Problem für den gesamten Kontinent werden. Die Frequenzabweichungen in Südosteuropa sind zudem kein ganz neues Phänomen. Schon im Sommer 2019 kam es an gleich drei Tagen zu ähnlichen Problemen. Die Experten der Netzbetreiber suchen daher nun fieberhaft nach der Ursache und – darauf aufbauend – nach Lösungsmöglichkeiten. Oberstes Ziel aller Maßnahmen bleibt: Einen Blackout verhindern.


Zwangsabschaltungen sorgen inzwischen für erhebliche Kosten

Erschwert wird dies allerdings durch den zweiten Aspekt hinter der Geschichte. Denn je stärker die europäischen Länder auf Ökostrom setzen, desto schwieriger ist es, die Stromnetze stabil zu halten. Der Grund ist simpel: Wind und Sonne interessieren sich nicht für das schwierige Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Stattdessen produzieren die Windräder und Solaranlagen mal mehr und mal weniger Strom. Diese naturbedingten Schwankungen müssen ausgeglichen werden. In der Regel geschieht dies durch die An- und Abschaltung von Anlagen. Ideal ist dies allerdings nicht. Denn oftmals müssen die Betreiber entsprechend entschädigt werden. Die Kosten dafür sind im Zuge der Entwicklung massiv gestiegen und lagen Schätzungen zufolge im Jahr 2020 bei 1,34 Milliarden Euro. Experten verweisen allerdings darauf, dass sich die Situation mittelfristig entspannen dürfte. Der Aufbau von Energiespeichern besitzt nämlich das Potential, die natürlichen Schwankungen kostenschonend auszugleichen.

Via: Handelsblatt

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