In diesem Jahr wurde die „EU-Biodiversitätsstrategie für 2030“ präsentiert. Darin ausdrücklich festgeschrieben: Die in Europa noch vorhandenen Primärwälder müssen so gut wie möglich geschützt werden. Gemeint sind damit alle Waldflächen, die ohne menschliche Einflussfaktoren gedeihen. Es findet also keine wirtschaftliche Nutzung statt und es werden auch keine alten Bäume entfernt oder Flächen aufgeforstet. Im Volksmund spricht man auch vom „Urwald“. Um die Vorgabe der Politik nach einem besseren Schutz dieser Wälder umsetzen zu können, bedurfte es allerdings zunächst einer wissenschaftlichen Bestandsaufnahme. Konkret ging es im Wesentlichen um die folgenden Fragen: Wie viele dieser unberührten Waldflächen gibt es in Europa überhaupt noch? Wo befinden diese sich? Und: Wie sieht der aktuelle Schutzstatus aus?


Die Primärwälder sind ungleich verteilt

Zur Beantwortung dieser offenen Punkte haben sich insgesamt 28 europäische Institutionen zusammengefunden. Geleitet wurde die Forschungsgruppe von Wissenschaftlern der Universität Halle-Wittenberg und der Humboldt-Universität Berlin. Als erste Erkenntnis trat dabei zutage, dass die noch vorhandenen Primärwälder sehr ungleich verteilt sind. So befindet sich ein Großteil davon im Norden von Russland sowie in Skandinavien und Osteuropa. In Mittel- und Südeuropa hat die wirtschaftliche Nutzung von Wäldern hingegen eine sehr lange Tradition. Außerdem gab und gibt es schlicht deutlich weniger kaum besiedelte Flächen. Folgerichtig sind dort auch weniger Primärwälder zu finden. Die Wissenschaftler fordern daher eindringlich, die noch vorhandenen Primärwälder umfassend zu schützen. Gleichzeitig sollten in Regionen ohne noch vorhandene unberührte Waldflächen entsprechende Gebiete renaturiert werden.


Die Schutzgebiete müssten nur geringfügig ausgeweitet werden

Denn die Urwälder sind spielen nicht nur als CO2-Speicher eine wichtige Rolle, sondern bieten auch einen einzigartigen Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Der Schutz der Wälder trägt also auch zum Erhalt der Biodiversität bei. Bleibt die Frage zu klären, wie viele Ressourcen für einen wirksamen Schutz investiert werden müssen. In diesem Punkt macht die Studie durchaus Hoffnung. So würde es ausreichen, die vorhandenen Schutzgebiete um ein Prozent auszuweiten. Dies entspräche nur zwei bis drei Tausendstel der gesamten Landfläche Europas. Auf Basis dieser Datenlage liegt der Ball nun wieder im Spielfeld der Politik. Diese muss die notwendigen Schritte einleiten, um die noch vorhandenen Primärwälder besser zu schützen und zusätzliche Gebiete zu renaturieren. Die Studie der Forscher zeigt, dass beides durchaus realistisch ist.

Via: Uni Halle

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