Hirntot ist gleich tot? Diese scheinbar unumstößliche Tatsache wird durch neueste Forschungsergebnisse auf den Kopf gestellt. Denn Wissenschaftler an der School of Medicine der Yale Universität haben ein Wiederbelebungssystem namens BrainEx erschaffen, das einem Dialysegerät ähnelt. Diesem Mechanismus gelingt es, bereits seit Stunden tote Gehirne in Teilen wiederzubeleben.


Die Forscher stellten absichtlich kein Bewusstsein her

Für ihre Studien töteten die Forscher keine Schweine, sondern sie besorgten sich 32 Köpfe geschlachteter Tiere aus einer Großmetzgerei. Im Labor konnten sie die Zellaktivitäten teilweise wieder in Gang setzen, was vor kurzem noch undenkbar erschien. Absichtlich ordneten die Wissenschaftler ihr Experiment so an, dass keine elektrischen Ströme entstanden, die für ein Bewusstsein notwendig sind. Entsprechend äußerte sich auch der beteiligte Neurowissenschaftler Nenad Sestan, dass es sich »laut klassischer Definition« auch nach der Behandlung um keine lebenden Gehirne gehandelt haben soll.


Ein kompliziertes wissenschaftliches Minenfeld

Allerdings konnten die Hirnzellen dazu animiert werden, Sauerstoff und Glukose aufzunehmen – und das für durchgehende sechs Stunden. Im Vergleich zu gleich alten, toten Gehirnen, die man der Verwesung überließ, befanden sich die Studienobjekte im Anschluss in einem sehr viel besseren Zustand. Bedeutete ein eklatanter Sauerstoffmangel im Gehirn bislang grundsätzlich den Tod eines lebenden Wesens, kommen nun berechtigte Zweifel auf. Ist der Hirntod vielleicht doch reversibel? Kommt es bei der Wiederbelebung nur auf die zur Verfügung stehenden Mittel an? Hier vereinen sich technische und medizinische Fragen mit ethischen Problemen – ein kompliziertes wissenschaftliches Minenfeld.

Wie dem auch sei: Die Forscher an der Yale Universität hegen die Hoffnung, mit ihrer Methode hirnerkrankten Patienten besser helfen zu können. Wenn beispielsweise nach einem Herzinfarkt der Blutfluss in Richtung Gehirn gestört ist, könnte es bald neue Behandlungsmethoden geben. Aber auch die weitere Erforschung komplexer Hirnzellenverbände kann durch BrainEx deutlich profitieren. Vielleicht erleben wir bald schon einen Quantensprung in der Gehirnmedizin.

Quelle: nationalgeographic.de

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