Ein Großteil der CO2-Belastung in großen Industriestaaten kommt – wenig überraschend – von der Industrie. Große Fabriken schleudern Abgase in rauen Massen in die Atmosphäre, und ganze Wissenschaftszweige beschäftigen sich damit, die Emissionen solcher Anlagen zu senken. Eine Gruppe Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) in Aachen hat einen anderen Weg gewählt: Die möchte die Abgase zur Gewinnung von Treibstoff nutzen.


Foto:  Barcelona smog, Flickr, Rudoni Productions, Flickr, CC BY-SA 2.0
Foto: Barcelona smog, Flickr, Rudoni Productions, Flickr, CC BY-SA 2.0

Bakterien als Schlüssel zum Erfolg

Als Grundlage für die Treibstoffe soll der in den Abgasen enthaltene Kohlenstoff dienen. Die Abgase eines Industriestandorts wie Duisburg könnten ausreichen, die Flugzeuge einer großen Airline mit Kerosin zu versorgen, so Stefan Jennewein, der das Forschungsprojekt koordiniert.

Ein wichtiger Bestandteil des Verfahrens sind genetisch veränderte Bakterien. Sie sollen bestimmte Bestandteile der Abgase, namentlich Kohlenstoffdioxid, Kohlenstoffmonoxid und Wasserstoff, in Alkohole wie Butanol, Hexanol und Aceton umwandeln. Diese Alkohole wiederum können unter Verwendung heute bereits vollkommen gebräuchlicher chemischer Verfahren unter Verwendung spezifischer Katalysatoren in einen dieselähnlichen Stoff umgewandelt werden. Dieser Stoff kann dann zu Kerosin und Spezialchemikalien umgewandelt werden. *“Dass die Idee funktioniert und wirtschaftlich interessant sein könnte, haben wir im Labormaßstab gezeigt*”, erklärt Jennewein.


Zertifizierung für den täglichen Gebrauch notwendig

Das Zwischenprodukt ist dem Diesel so ähnlich, dass es bereits genutzt werden könnte, um Schiffe anzutreiben. Um den Treibstoff auch für andere Motoren, beispielsweise Autos und Flugzeuge, bekömmlich zu machen, werden ihm Wasserstoffmoleküle hinzugefügt. Diesbezüglich spricht man von einer Hydrierung.

Forscher des Institut für Chemische Technologie (ICT) in Pfinztal wandeln das Zwischenprodukt dann in Spezialchemikalien wie Amine um, die in der Pharmaindustrie und anderen Einsatzgebieten genutzt werden.

In den nächsten Jahren wollen die Forscher daran arbeiten, ihren Kraftstoff zertifizierter zu machen. Hierzu muss das Verfahren von unabhängigen Instituten auf Herz und Nieren geprüft werden, um sicherzustellen, dass keine schädlichen Nebenprodukte entstehen. Bis das erste Flugzeug mit Kerosin aus dem Schornstein einer Duisburger Stahlfabrik abhebt, wird also noch einige Zeit ins Land ziehen.

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