Jährlich werden in Deutschland rund zehn Millionen Tonnen Gips verbraucht. Krankenhäuser sind dafür allerdings nur selten verantwortlich. Dort wurde der klassische Gips inzwischen weitgehend durch Kunststoffschienen und andere Alternativen ersetzt. Stattdessen ist es die Baubranche, die den Rohstoff benötigt. Seit den 1980er Jahren kann sie dabei auf eine günstige Bezugsquelle zurückgreifen. Denn damals wurden in den Kohlekraftwerken sogenannte Rauchgas-Entschwefelungsanlagen eingebaut. Ziel der Maßnahme: Der saure Regen, der die deutschen Wälder gefährdete, sollte verhindert werden. Deshalb wurde dem bei der Verbrennung entstehenden Schwefeldioxid feingemahlener Kalkstein zugesetzt. Als Endprodukt entstand dadurch der sogenannte REA-Gips. Dieser ist vergleichsweise preiswert und wird daher von der Bauindustrie gerne genutzt. Seitdem wird die Nachfrage jeweils zur Hälfte durch REA-Gips und durch den Abbau von Naturgips gedeckt.


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Einzigartige Ökosysteme könnten durch Sprengungen zerstört werden

Doch der Kohleausstieg sorgt hier für einschneidende Veränderungen. Denn schon im nächsten Jahr werden die ersten elf Kohlemeiler vom Netz genommen. Bis zum endgültigen Ausstiegsdatum im Jahr 2038 wird sich die Zahl der abgeschalteten Anlagen kontinuierlich weiter erhöhen. Die logische Folge: Es entsteht auch immer weniger REA-Gips. Die Baubranche hat darauf bereits reagiert und fordert, in Deutschland stattdessen mehr Naturgips abzubauen. Umweltschützer schlagen hier aber Alarm. Sie befürchten, dass durch den Abbau mit schwerem Gerät einzigartige Ökosysteme zerstört werden könnten. So liegt die Hälfte der deutschen Gipsreserven im Grenzgebiet zwischen Niedersachsen und Thüringen. Gleichzeitig handelt es sich aber auch um eines der artenreichsten Gebiete in Deutschland. Insbesondere die für den Abbau nötigen Sprengungen könnten hier erheblichen Schaden anrichten. Die Umweltschützer fordern daher, stattdessen lieber alternative Quellen zu erschließen.

Das Recycling bleibt noch hinter den Möglichkeiten zurück

Hier böte sich vor allem ein stärkerer Fokus auf das Recycling an. Tatsächlich ist Gips einer der wenigen Baustoffe, bei denen ein geschlossener Wiederverwertungskreislauf möglich ist. Aus altem Gips kann also neuer Gips gemacht werden, ohne dass es Einschränkungen bei der Verwendung gibt. Experten schätzen zudem, dass rund die Hälfte der anfallenden Gipsabfälle relativ einfach recycelt werden könnten. Dennoch basieren heute nur rund zwei Prozent der Neuprodukte auf Recyclinggips. Verantwortlich dafür sind vor allem zwei Faktoren. Zum einen ist REA-Gips schlicht deutlich günstiger erhältlich. Dies dürfte sich in den nächsten Jahren allerdings ändern. Zum anderen ist aber auch die Entsorgung der Gipsplatten als Sondermüll schlicht zu preiswert. Es lohnt sich für die Unternehmen daher nicht, diese zu separieren und dem Recyclingprozess zuzuführen. Umweltschützer fordern daher, die Einführung einer verpflichtenden Recyclingquote, um die Naturschutzgebiete zu schonen.


Via: Klimareporter

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