Der Flughafen Berlin-Brandenburg „Willy Brandt, kurz BER, war einst eines der Prestigeprojekte des Landes Berlin. Einst ist hierbei das entscheidende Wort. Denn begonnen wurde mit dem Bau im Jahr 2006. In den vergangenen 14 Jahren wandelte sich das Projekt vom Stolz der Berliner Politik zu einer echten Schande. Eine Panne jagte die nächste, und der Bau, der ursprünglich 2011 abgeschlossen sein sollte, zog sich immer mehr in die Länge. Nun soll es endlich soweit sein: Am 31. Oktober öffnet der Flughafen seine Tore – und das mitten in einer Pandemie, die die zivile Luftfahrt in eine der größten Krisen ihrer Geschichte gestürzt hat.


Baudrama vor Berlin

Letztes Jahr eröffnete in Peking der Chinesische Präsident den Flughafen Daxing, einer der größten Passagierflughäfen der Welt. Bei seiner Eröffnung lag die Passagierkapazität bei 45 Millionen Fluggästen im Jahr. Fertig ausgebaut sollen es dann 100 Millionen sein. Die Bauzeit für das Megaprojekt: Knapp fünf Jahre. Zu diesem Zeitpunkt baute man in Berlin schon seit 13 Jahren am BER.


Die Baustelle vor den Toren Berlins verschlang insgesamt eine Summe von mindestens sechs Milliarden Euro und ist damit etwa drei mal so teuer wie geplant geworden. Es gilt sogar als unbekannt, ob er diese Summe jemals wieder einstellen kann. Aber eines ist sicher – zumindest so gut wie: Der Flughafen BER wird dieses Jahr seine Eröffnung feiern. „ Wir eröffnen am 31. Oktober“, so der Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.

Wobei „feiern“ nicht das richtige Wort ist. Neun Jahre nach der geplanten Eröffnung und nach insgesamt sechs geplatzten Termin wird auf eine Feier verzichtet werden. Dass Baudrama hat das Land Berlin international zur Schande gereicht – pompös die Eröffnung feiern will dort niemand mehr.

Stille Eröffnung

Zwei Maschinen von Easyjet und Lufthansa sollen am 31. Oktober gegen 14 Uhr die Eröffnung des Flughafens markieren. Die Passagiere der beiden Flüge werden damit als erstes offiziell das neue Terminal durch die Gates betreten können.

Und in Berlin dürften dann so einige aufatmen. Im Laufe der Jahre wurden immer wieder Mängel entdeckt. Einer der größten war der Brandschutz, zu dessen Gewährleistung Tausende Meter Kabel neu gezogen werden mussten. Schuld an der Drama um die Großbaustelle waren die politisch Verantwortlichen. Jahrelang wurde die Baustelle ohne Generalunternehmer betrieben, es wurde mehrfach in großem Stil umgeplant und der Generalplaner musste das Projekt nach der geplatzten Eröffnung 2012 verlassen. Es folgten Jahre voller Intrigen und Machtkämpfen. Die großen Gewinner waren dabei vor allem die Baufirmen. Jahre Bauzeit wurden sinnlos verschwendet, was auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller zugeben musste. Das Projekt BER wurde zur Lachnummer und musste für zahlreiche Witze herhalten.

Eröffnung in der Coronazeit

Vor drei Jahren wurde dann der Stadtplanungsingenieur Lütke Daldrup aus der Berliner Senatskanzlei als Flughafenchef eingesetzt. Seine erste Amtshandlung war, die Eröffnung des Flughafens um weitere drei Jahre zu verschieben. Die gewonnene Zeit nutze er aber nicht nur zum Bauen, sondern auch, um die Aktenarbeit zu beenden. Nachweise und Dokumentationen mussten erbracht werden, und außerdem galt es, Sondergenehmigungen für teilweise kreative Baulösungen einzuholen.

Nun aber eröffnet der Flughafen BER endlich. Übervolle Terminals muss vorerst allerdings niemand fürchten. Die Luftfahrt befindet sich in der größten Krise seit dem 2. Weltkrieg. Wegen des Coronavirus werden im Winter etwa ein Viertel der üblichen Fluggastzahl erwartet. Einen Rückkehr zur Normalität erwarten die Betreiber frühestens 2022. Ein Zusatzterminal, das letztes Jahr in aller Eile unter dem Eindruck der 36 Millionen Fluggäste an den alten Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld gebaut wurde, soll deshalb erst ab nächstem Jahr genutzt werden.

Rückzahlung von Krediten verschoben

Dass der Flughafen genug Geld verdient, um seine Kredite zu bedienen, ist vorerst auch nicht zu erwarten. Die Rückzahlungen wurden wie auch der weitere Ausbau des Flughafens vorerst auf Eis gelegt. Zudem werden die Eigentümer, die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund, weitere Zuschüsse bereitstellen müssen. Denn einen privaten Investor will man auch weiter nicht ins Boot holen. „ Realistisch beschränken wir uns mal auf das, was plausibel ist. Nämlich dass der Flughafen jetzt seinen Betrieb aufnimmt, dass er Erträge erzielen wird und trotz der angespannten Lage die Sache gut ausgehen wird“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) im Bundestag.

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