Gebrauchte Windräder werden in naher Zukunft im Überfluss vorhanden sein. Momentan gibt es sie nur vereinzelt und es gibt einen Markt dafür, aber wenn in den nächsten Jahren immer mehr Windräder abgebaut oder ersetzt werden. Zu viel, um sie alle auf dem Gebrauchtmarkt zu verkaufen. Was soll also mit all den alten Windrädern geschehen?


Windenergie Windräder
Foto: Wind power, Håkan Dahlström, Flickr, CC BY-SA 2.0

Noch lohnt sich der Verkauf alter Anlagen

Für den Verkauf von alten Windrädern gibt es dedizierte Online-Marktplätze. Dort werden etwa die in Deutschland ausgedienten Anlagen verkauft – gerne etwa nach Russland, Weißrussland oder in die Ukraine. Auch in Kasachstan, der Türkei und im Vatikan drehen sich bereits Windräder, die zu Beginn der Energiewende ihre ersten Windböen in Deutschland zu spüren bekamen.

Der Gebrauchtmarkt für Windräder hat in den letzten Jahren geradezu geboomt – zwischen 2012 und 2016 war dort viel Geld zu machen. Heute ist der Markt bereits übersättigt. Gebrauchte Anlagen, die vor ein paar Jahren noch fast eine halbe Million Euro wert waren, gehen nun für unter 100.000 Euro über den virtuellen Ladentisch.


In Deutschland drehen sich aktuell etwa 28.000 Windräder. Die ersten kommen nun an ihre Betriebsgrenzen oder werden in den kommenden Jahren aus anderen Gründen ausgemustert. Es stellt sich daher die Frage, was mit diesen alten Anlagen geschehen soll, wenn sie nicht mehr verkauft werden können.

Auslaufende Förderungen werden den Gebrauchtmarkt überschwemmen

Viele der Anlagen, die in den nächsten Jahren „fällig“ sind, könnten nur noch verkauft werden, wenn sie vorher aufwendig saniert werden. Das ist oft sehr aufwändig, sodass im Grunde nur noch die Verschrottung bleibt – was gar nicht so einfach ist. Die Verschrottung von Windkraftanlagen war bisher noch kein besonders großes Thema, weshalb es an Erfahrung fehlt. Auch das Umweltbundesamt hat das erkannt – und arbeitet derzeit an einer Handreichung zum Thema der „guten fachlichen Praxis“ für das Recycling von Windkraftanlagen. Bisher fehlt es allerdings an einem wirklich durchdachten Konzept.

Die Tatsache, dass viele Windräder in den nächsten Jahren auf dem Schrott landen werden, ist auch der einst sehr großzügigen Finanzierung der Anlagen geschuldet. Von Januar 2021 an werden für immer mehr Windräder die Förderungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz auslaufen. Das wird allein 2021 deutlich über 5.000 Anlagen betreffen. Bis 2025 erwartet der Bundesverband Windenergie das Ende der Förderung von 16.000 Megawatt Gesamtleistung in Form von Windkraftanlagen.

Nach dem Ende der Förderung haben die Betreiber der Anlagen drei Möglichkeiten. Sie können die Windräder „repowern“. Beim Repowering werden die alten Anlagen durch leistungsfähigere Modelle ersetzt. Oder Sie können die Windräder ohne die Förderung weiter betreiben. Die dritte Möglichkeit ist die radikalste: Der ersatzlose Rückbau mit anschließendem Recycling.

Was tun mit alten Anlagen?

Repowering ist aus Sicht der Klimapolitik sicher die sinnvollste Variante. Allerdings wurde an vielen Standorten inzwischen das Planungsrecht geändert, weshalb der Wiederaufbau einer neuen Anlage nicht möglich ist. Der Fachagentur Wind an Land zufolge betrifft dies etwa 40 Prozent aller Anlagen. Dieses Problem wird dadurch verstärkt, dass leistungsfähigere Windkrafträder in der Regel auch größer sind als ihre Vorgänger.

Die Anlagen ohne Förderung weiter zu betreiben, ist oft nicht wirtschaftlich. Im letzten Jahr betrug die Förderung um Schnitt 8,3 Cent pro Kilowattstunde. Der aktuelle Börsenpreis für den Windstrom betrug im Jahr davor lediglich 2,77 Cent pro Kilowattstunde – mit Tendenz nach unten. Ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb der Anlagen sei so oft nicht möglich. Insbesondere gilt das für windschwache Regionen im Binnenland.

Recycling und Entsorgung ist ein Problem

Allerspätestens nach 25 bis 30 Jahren aktiven Dienstes bleibt für die Anlagen nur noch eines: Der Weg ins Recycling. Dabei sind vor allem die glasfaserverstärkten Kunststoffrotoren ein Problem. Diese sind extrem widerstandsfähig und kaum kleinzukriegen. Die für den Einsatz unter extremen Wetterbedingungen konstruierten Rotoren sind bis zu 90 Meter lang und kaum zu zerlegen. Sie sind so widerstandsfähig, dass derzeit mit Mikrosprengungen experimentiert wird, um die Rotoren in kleinere Stücke zu zerlegen. Auch das weitere Recycling ist problematisch: Die Rotoren können kaum geschreddert werden, und beim Einschmelzen ist die schmelzende Glasfaser eine potentielle Gefahr für die Öfen.

Zudem fehlt es an Geld, um den geordneten Rückbau zu bezahlen. Zu so einem Windrad gehört schließlich auch ein Stahlfundament, das etwa 30 Meter in die Erde hineinreichen kann. Gerüchteweise wird momentan sogar teilweise akzeptiert, dass nur die ersten paar Meter des Fundaments abgetragen werden und der Rest in der Erde verbleibt. Eine Praxis, die rechtlich zumindest fragwürdig bleibt.

Eines bleibt in jedem Fall festzuhalten. Einen wirklichen Plan für den Umgang mit den Altlasten, die von der Energiewende hinterlassen wurden, gibt es nicht. Die alten Windräder dürfen auch nicht als Abfall exportiert werden – dies verbietet das Gesetz. Allerdings könnte dieses Verbot möglicherweise so umgangen werden, dass man die alten Rotoren einfach als Ersatzteile deklariert. Diese Methode hatte sich schon bei der Entsorgung von Elektroschrott bewährt, der dann allerdings oft in Afrika auf schlecht reglementierten Deponien landete.

Es muss dringend ein Plan für die Entsorgung der alten Windräder her. Denn so positiv die Energiewende auch zu beurteilen ist: Es ist wichtig, dass auch im Nachhinein ein verantwortungsvoller Umgang mit ihren Folgen an den Tag gelegt wird. Da die Energiewende zum großen Teil auch vom Staat angestoßen wurde, sollte man diesen vielleicht mit in die Pflicht nehmen.

"

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

1 Kommentar

  1. Andro Wegner

    20. Mai 2019 at 21:54

    Es gibt recht unterschiedliche Vorstellungen, was mit den Anlagen geschehen soll. Für manche gibt es bereits ein PPA (power purchase agreement). Das heißt, Firmen – wie beispielsweise VW – kaufen den Öko-Strom zum Festpreis, um ihre Produktion auf 100‰ erneuerbar umzustellen. Wenn die Firma selbst PV installiert und eventuell Batterie-Speicher oder Elektrolyseure für Überschussstrom, ist sie ggf fast autark.

    Auch Öko-Strom-Anbieter und klassische Strom-Anbieter kaufen Altanlagen auf oder schließen PPA-Verträge ab, um ihren Kunden mehr Öko-Strom anbieten zu können. Es werden also mit Sicherheit nicht alle Anlagen, die aus der Förderung fallen, auch abgebaut und entsorgt.

    Der Artikel liest sich ein wenig, als müsste die Energiewende entsorgt werden. Doch der Strom-Markt ist inzwischen ein ganz anderer und auch Kernkraftwerke und Kohlekraftwerke arbeiten nur wirtschaftlich, indem sie den Markt mit Strom überschwemmen, der so gar nicht gebraucht wird und indem sie ihre Risiken und Nebenwirkungen, ihre Auf- und Abbaukosten auf die Allgemeinheit abwälzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.