Alois Alzheimer untersuchte im Jahr 1906 das Gehirn einer verstorbenen Patientin und entdeckte dabei charakteristische Veränderungen. Später wurde die damit verbundene neurodegenerative Erkrankung nach ihm benannt. Bis heute lässt sich der zu der Demenz führende Prozess im Gehirn nicht stoppen. Alzheimer kann also nicht geheilt werden. Forscher in aller Welt arbeiten aber an möglichen Behandlungsmethoden. Ein Schlüssel dazu: Ein möglichst exaktes Verständnis der Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Forscher der amerikanischen University of Illinois Chicago (UIC) haben hier nun allerdings auf eine weit verbreitete Fehlannahme hingewiesen. Denn die meisten Untersuchungen gehen davon aus, dass die Aktivitäten des Gehirns mit dem Tod eines Menschen schlagartig stoppen. Genau dies ist aber nicht der Fall, wie die Forscher in einer aktuellen Studie nachwiesen.


Brain Scan
Foto: MRT Scans, Gerwin Sturm, Flickr, CC BY-SA 2.0

Die meisten Zellen waren auch nach 24 Stunden noch aktiv

Dazu wählten sie einen überraschend simplen Ansatz. Denn sie arbeiteten nicht mit Gehirnen von tatsächlich verstorbenen Personen, sondern schauten sich Hirngewebe an, das bei Routine-Operationen entnommen wurde. Bei diesen Proben analysierten sie dann die Genexpressionen zu bestimmten Zeitpunkten nach der Entnahme. So stellten sie fest, dass einige Zellen nach dem Tod sogar noch einmal verstärkt aktiv wurden. Konkret betraf dies sogenannte „Zombie-Gene“ in den Gliazellen. Diese sind im Normalfall dafür verantwortlich, nach einem Schlaganfall oder einer längeren Sauerstoffunterversorgung die Schäden im Gehirn soweit wie möglich zu beseitigen. Auf den Tod eines Menschen wiederum reagieren sie offensichtlich, indem sich lange Fortsätze bildeten. Diese Entwicklung erreicht nach rund zwölf Stunden ihren Höhepunkt. Die Gliazellen stellen mit ihrer ansteigenden Aktivität allerdings eine Ausnahme dar. Tatsächlich stellten die Forscher aber auch fest, dass rund achtzig Prozent der analysierten Gene 24 Stunden nach dem Tod noch konstant aktiv waren.

Proben von verstorbenen Alzheimer-Patienten können besser analysiert werden

Die Aktivität weitete sich also nicht aus, sie reduzierte sich aber auch nicht entscheidend. Anders wiederum ist dies anscheinend, bei den Genen, die für die Gedächtnis- und Denkfunktionen des Gehirns verantwortlich sind. Hier stellten die Forscher schon wenige Stunden nach dem Tod einen starken Abbau fest. Diese Gene spielen bei Krankheiten wie Alzheimer oder Schizophrenie eine entscheidende Rolle. Werden also zukünftig Gehirnproben von verstorbenen Alzheimer-Patienten analysiert, muss in Betracht gezogen werden, dass es auch nach dem Tod noch zu Veränderungen gekommen sein kann. „Die gute Nachricht unserer Ergebnisse ist, dass wir jetzt wissen, welche Zelltypen stabil bleiben, welche sich abbauen, welche verstärkt aktiv sind und über welchen Zeitraum dies passiert, so dass wir die Ergebnisse von nach dem Tod entnommenen Hirnproben besser verstehen“, erklärt Dr. Jeffrey Loeb, Co-Autor der Studie.


Via: UIC

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