Selbst innerhalb der deutschen Autohersteller ist noch nicht ganz klar, wie sich die Zukunft der Elektromobilität entwickeln wird. Ist es wirklich notwendig, immer leistungsfähigere Akkus zu entwickeln, um die Reichweite zu erhöhen? Oder werden stattdessen bessere Ladestationen benötigt, damit bei längeren Fahrten weniger Zeit verloren geht? Erst kürzlich hat sich BMW in diesem Punkt klar positioniert: Der Münchener Autobauer setzt auf eine maximale Reichweite von 600 Kilometern und Fortschritte bei der Ladetechnik. Ein Beispiel aus der Schweiz zeigt nun, dass es in diesem Punkt zumindest in die richtige Richtung zu gehen scheint. So hat der Industriekonzern ABB eine neue Ladesäule präsentiert, die maximal 15 Minuten benötigt, um den Akku eines Elektroautos vollständig aufzuladen. Eine Reichweite von zumindest 100 Kilometern wird zudem bereits nach drei Minuten erreicht – was in etwa der Dauer eines klassischen Tankstopps entspricht.


Bild: ABB

Geplant ist eine Kooperation mit den Tankstellenketten

Vermarktet wird die neu präsentierte Ladesäule unter dem Namen Terra 360. Dies spielt auf die maximale Leistung von 360 Kilowatt an. Das sind immerhin zehn Kilowatt mehr als bei den bisher leistungsfähigsten Ladesäulen auf dem Markt. Theoretisch lassen sich mit der Neuentwicklung von ABB Autos aller Hersteller laden. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Die Fahrzeuge müssen für das Schnellladen ausgelegt sein. Dies ist bei teureren Modellen die Regel. Bei preiswerten Fahrzeugen wird hingegen manchmal darauf verzichtet. Ohnehin möchte ABB seine Ladesäulen aber nicht direkt an die Hersteller verkaufen. Stattdessen sind Kooperationen mit den großen Tankstellenketten geplant. Entsprechende Vereinbarungen gibt es bereits mit Shell, BP und Total. Theoretisch könnten die ersten extrem schnellen Ladesäulen dann schon Ende des Jahres installiert werden. Neben Tankstellen bieten sich zudem beispielsweise auch Rasthöfe und Einkaufszentren als Standort an.

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Auch Porsche könnte an einer Zusammenarbeit interessiert sein

Rückenwind erhält der Ausbau der Ladeinfrastruktur zudem von der Politik. So hat die Bundesregierung angekündigt, insgesamt 1.000 neue Stationen errichten zu wollen. Damit soll unter anderem eine EU-Vorgabe umgesetzt werden. Diese sieht vor, dass mindestens alle sechzig Kilometer eine Ladestation stehen muss. Parallel dazu haben auch die Autobauer eigene Konzepte entwickelt. Porsche beispielsweise hat eine Art Business Lounge entworfen. In diesen können Kunden während des Ladevorgangs etwas trinken oder auch arbeiten. Noch ist allerdings unklar, ob der Autobauer die Einrichtungen selbst errichten wird oder auf einen Partner setzt. ABB jedenfalls stünde bereit, die neu entwickelten Schnellladesäulen mit den Porsche-Lounges zu kombinieren. Dies dürfte sich für das Unternehmen auch finanziell lohnen. Schätzungen gehen davon aus, dass die E-Mobility-Sparte des Konzerns rund drei Milliarden Euro wert sein könnte.

Via: Handelsblatt

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