Kohlekraftwerke lieferten einst die für die industrielle Revolution benötigte Energie. Man kann daher durchaus sagen: Der heutige Wohlstand in Europa ist auch auf diesen fossilen Energieträger zurückzuführen. Im Mutterland der industriellen Revolution soll die Verbrennung von Kohle aber bald ein Fall für die Geschichtsbücher sein: Die letzte Kohlemine hat bereits vor rund zwei Jahren geschlossen und für die noch vorhandenen Kohlekraftwerke wurde ein festes Ausstiegsdatum vereinbart.


In Deutschland hingegen ist die Politik noch nicht soweit: Braun- und Steinkohle machen noch immer rund 45 Prozent des Energiemixes aus – und ein festes Ende ist nicht in Sicht. Dabei gibt es auch hierzulande gute Gründe für einen schnellen Ausstieg aus der Kohle:

1. Die Belastung für das Klima


Kohlekraftwerke sind so ziemlich die klimaschädlichste Form der Energieerzeugung. Zur Einordnung: Ein modernes Gaskraftwerk verursacht nur halb so viele Emissionen. Um die selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen, muss für die Länder der Europäischen Union daher gelten: Möglichst schnell raus aus der Kohle! Eine Studie des Instituts Climate Analytics unterfüttert dies mit konkreten Zahlen: Das letzte Kraftwerk muss 2030 abgeschaltet werden, um die Emissionen tatsächlich wie geplant reduzieren zu können.

Ansicht eines Kohlekraftwerkes in Werdohl-Elverlingsen Foto: By Dr.G.Schmitz (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
2. Die Luftqualität

Kohlekraftwerke sind für Feinstaub, Stickoxide, Schwefeldioxid, Quecksilber und zahlreiche andere gesundheitsgefährdende Stoffe in der Luft verantwortlich. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Eine konsequente Umstellung der Energieversorgung könnte für bessere Luft sorgen. Dies ist keineswegs eine rein kosmetische Frage. Denn Schadstoffe in der Luft sind für zahlreiche Krankheiten und Todesfälle in der Europäischen Union verantwortlich.

3. Neubauten schaffen langjährige Fakten

Noch immer werden in Deutschland auch neue Kohlekraftwerke errichtet. Dies ist besonders fragwürdig, weil solche Investitionen in der Regel mit einem Zeithorizont von rund vierzig Jahren geplant werden. Dies bedeutet: Wird heute ein neues Kraftwerk eingeweiht, muss dieses auch bis zum Jahr 2057 laufen – deutlich zu lange, um die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen. Ein festes Ausstiegsdatum hingegen würde dafür sorgen, dass stattdessen in andere Formen der Energiegewinnung investiert wird.
4. Die Kraftwerke sind nicht flexibel

Zur Ergänzung der Erneuerbaren Energien werden in Deutschland vor allem flexible Kraftwerke benötigt, die Produktionsschwankungen schnell ausgleichen können. Kohlekraftwerke sind hingegen eher träge und können nicht flexibel an- und ausgeschaltet werden. Im Gegenteil: Für einen wirtschaftlichen Betrieb müssen sie in der Regel rund um die Uhr laufen. Auch in diesem Punkt sind die Kohlekraftwerke also eher ein Relikt der Vergangenheit.

5. Der Braunkohletagebau ist problematisch

Der Abbau von Steinkohle läuft in Deutschland im nächsten Jahr aus. Braunkohle soll allerdings auch weiterhin gefördert werden – und zwar im Tagebau. Dies ist problematisch, weil dafür teilweise ganze Dörfer versetzt werden müssen. Einwohner verlieren also ihr angestammtes zuhause, damit ein Energieträger abgebaut werden kann, der mehr Nach- als Vorteile mit sich bringt.

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