Die Echte Karettschildkröte hat zwei große Probleme: Für allzu viele Menschen ist sie mitsamt ihren Eiern eine Delikatesse – und ihr wunderschöner Schildpattpanzer lockt so manchen gierigen Sammler an. Beide Unterarten dieser Spezies sind deshalb stark vom Aussterben bedroht, und es fällt schwer, die letzten verbliebenen Tiere wirksam gegen Wilderei zu schützen. Jetzt gibt es 97 Mal Nachwuchs, geschlüpft an einem Strand, der vor Corona noch von Menschen wimmelte.


Von U.S. Fish and Wildlife Service Southeast RegionHawksbill Sea Turtle/ Carey de ConchaUploaded by AlbertHerring, Gemeinfrei, Link

Aufgrund strenger Corona-Regeln war der Strand menschenleer

Menschenmengen wirken abschreckend auf Karettschildkröten. Überall, wo sich menschliche Sonnenanbeter tummeln, bleibt das Tier lieber fern und legt entsprechend keine Eier auf Touristenstränden ab. Auch der Strand bei Paulista an der Nordostküste Brasiliens bot vor kurzem noch keine Möglichkeit zur Fortpflanzung der seltenen Reptilien. Doch aufgrund der strengen Corona-Restriktionen im Bundesstaat Pernambuco war er im April wie leergefegt – und tatsächlich trauten sich nun einige Schildkrötenweibchen an Land. Sie legten ihre Eier ab, aus denen dann etwas später genau 97 Babys schlüpften: eine ganze Menge Nachwuchs für eine derart seltene Tierart. Einige Regierungsmitarbeiter konnten sogar noch Fotos von dem großen Ereignis knipsen, dann verschwanden die Mini-Schildkröten in den Wellen des Atlantiks.

Von Menschen »besetzte« Gebiete werden zurückerobert

Die Babys haben nun die Chance, irgendwann eine maximale Länge von 110 Zentimetern und ein Gewicht von 85 Kilogramm zu erreichen – wenn sie kein Feind erwischt. Der portugiesische Name der Echten Karettschildkröte erinnert allerdings daran, was den meisten ihrer Art zum Verhängnis wird: Die Übersetzung lautet »Kamm-Schildkröte«, weil ihre Panzer immer wieder als Material für die Kamm-Herstellung dienten. Das massenhafte Schildrötenschlüpfen zeigt uns, wie zügig die Natur die von Menschen »besetzten« Gebiete zurückerobern kann – zumindest in einigen Fällen. Und so schlimm die Corona-Krise auch ist: Manchmal hat sie auch die eine oder andere positive Auswirkung.


Quelle: theguardian.com 

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