Für das Autoland Deutschland brachte der Abgasskandal des Volkswagen-Konzerns einen erheblichen Imageschaden mit sich. Vor allem, weil es nicht die deutschen Behörden waren, die dem Konzern auf die Schliche kamen. Vielmehr mussten erst die amerikanischen Umweltbehörden eigene Messungen durchführen, um zu erkennen, dass Manipulationssoftware zum Einsatz kam. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt hingegen besitzt bisher nicht einmal eine eigene Teststrecke und musste solche Aufträge an Organisationen wie den Tüv oder die Dekra abgeben. Ein Modell, das sich im Zuge des VW-Skandals als unwirksam erwies. Zukünftig soll sich dies daher ändern: In Schleswig-Holstein wird für das Kraftfahrt-Bundesamt auf einem alten Bundeswehr-Flughafen eine geeignete Teststrecke gebaut.


Die Abgaswerte eines Mazda 6 (GJ) werden von einem mobilen Prüfgerät erfasst. In diesem Fall gab es keine Beanstandungen. Foto: LSDSL [BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Mobile Endgeräte sollen zudem realistische Werte ermitteln

Ähnlich wie bei Dopingkontrollen im Sport sollen dort dann unangemeldete Abgaskontrollen bei den Fahrzeugen stattfinden. Allerdings werden dafür keine Privatautos genutzt, sondern Fahrzeuge von Autovermietern und Neuwagen. Zudem erhält das Kraftfahrt-Bundesamt ein eigenes Labor mit Prüfständen, um weitere Tests durchführen zu können. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass zukünftige Manipulationen deutlich schneller entdeckt werden. Die Messungen auf der Teststrecke stellen zudem nur einen Teil der neuen Überprüfungen dar. Zusätzlich wurden auch noch zwei mobile Prüfgeräte angeschafft. Diese können auf der Rückseite der Fahrzeuge installiert werden und messen dann die tatsächlichen Abgaswerte während der normalen Fahrten im Straßenverkehr. Für gewöhnlich liegen diese deutlich höher als bei normierten Fahrten auf einer Teststrecke.

In zahlreichen Städten drohen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge

Inzwischen wurden die entsprechenden Schulungen für Mitarbeiter des Bundesamtes abgeschlossen, sodass die mobilen Prüfgeräte zeitnah zum Einsatz kommen können. Ob dies allerdings ausreicht, den Vertrauensverlust, den die Diesel-Technologie durch die Tricksereien von VW erlitten hat, zu kompensieren, ist fraglich. Zahlreiche Städte haben jedenfalls bereits angekündigt, ab dem Jahr 2025 Dieselfahrzeuge aus dem Stadtverkehr zu verbannen. Dazu gehören unter anderen die europäischen Städte Paris, Athen und Madrid. Die Maßnahme soll dazu beitragen, die Luftqualität in den Städten zu verbessern. Die Feinstaubbelastung liegt dort jeweils deutlich höher als von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen.


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