Es sind ungewöhnliche Zeiten für die Mitarbeiter der Behörde „Transport for London“. Denn während früher rund vier Millionen Menschen täglich die U-Bahnen der britischen Hauptstadt nutzten, liegt die Zahl der Passagiere aktuell nur noch bei rund 400.000 pro Tag. Das kuriose daran: Die Transportbehörde freut sich darüber. Denn nur so ist es überhaupt möglich, die im Rahmen der Corona-Bekämpfung notwendigen Abstände einzuhalten. Auch die weltbekannten roten Doppeldecker-Busse fahren daher nicht mit voller Kapazität: Anstatt bis zu achtzig Passagiere können jetzt nur noch maximal zwanzig Fahrgäste zeitgleich transportiert werden. Die Stadtplaner stellt dies vor ein Dilemma. Denn es droht die Gefahr, dass viele Pendler stattdessen auf das Auto umsteigen. Das aber wäre nicht wirklich hilfreich. Denn die dadurch entstehende Luftverschmutzung würde wohl kaum dazu beitragen, die Pandemie einer Lungenkrankheit zu stoppen.


By Kai Kowalewski (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

15.000 Quadratmeter an Straßen wurden bereits neu vergeben

In London hat die Stadtverwaltung rund um Bürgermeister Sadiq Khan daher ein ambitioniertes Programm namens „Streetspace for London“ aufgelegt. Die Idee dahinter: Man verringert den Platz für Autofahrer und gibt die so gewonnenen Flächen für Radfahrer und Fußgänger frei. Im Idealfall reduziert sich dadurch die Attraktivität von Autofahrten, während radeln und zu Fuß gehen einfacher und sicherer wird. Insgesamt werden in London inzwischen schon über 15.000 Quadratmeter an ehemaligen Straßen entsprechend neu verwendet. Als nächstes soll nun eine 2,5 Kilometer lange Verkehrsachse komplett für den Autoverkehr gesperrt werden. Damit wäre dann tatsächlich ein Superlativ erreicht: Es wäre die größte autofreie Zone aller Hauptstädte weltweit. Bereits in Planung befindliche Radwege werden zudem aktuell vorgezogen und deutlich schneller eingerichtet als sonst üblich. Die Ziele der Behörden sind ambitioniert: Der Radverkehr soll sich verzehnfachen, die Zahl der Fußgänger immerhin um das fünffache zulegen.

Die Maut für Autos wird erhöht

Interessant dürfte zudem werden, wer die neuen Angebote tatsächlich nutzt. Wenn diese lediglich von den ehemaligen Nutzern der öffentlichen Verkehrsmittel genutzt werden, hilft dies zwar während der Coronakrise, stellt aber noch keine langfristige Revolution dar. Dafür wäre es wichtig, dass auch bisherige Autofahrer öfter auf das Rad oder die eigenen Füße setzen. Hier verfolgt die Stadtverwaltung eine Art Politik von Zuckerbrot und Peitsche. Auf der einen Seite soll die Attraktivität des Active Travel erhöht werden. Gleichzeitig wird die Nutzung des Autos aber auch schlicht verteuert: Die ohnehin schon recht teure City-Maut wird noch einmal um rund dreißig Prozent erhöht. Es bleibt trotzdem abzuwarten, inwieweit die aktuelle Begeisterung für Fortbewegungsmittel an der freien Luft auch nach dem Ende der aktuellen Pandemie noch anhalten wird. Die Stadtplaner in London jedenfalls sind entschlossen, nichts unversucht zu lassen, um die Chance zu nutzen.


Via: Die Zeit

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