Die Weltklimakonferenz wird dieses Jahr im ägyptischen Scharm El-Scheich stattfinden. Dort sollen die Fortschritte der Weltgemeinschaft in Sachen Begrenzung der Erderwärmung dokumentiert werden. Daraus wiederum lassen sich dann weitere nötige Maßnahmen ableiten. Zur Vorbereitung der Konferenz fand nun in Berlin der sogenannte Petersberger Klimadialog statt. In diesem Rahmen trafen sich auch Bundeskanzler Olaf Scholz und Ägyptens Präsident Abdel Fatah El-Sisi. Gemeinsam verabredeten die beiden Politiker eine Kooperation in Sachen Wasserstoff. Der Hintergrund: Die Elektrolyse von Wasserstoff ist extrem energieaufwändig. Um viel grünen Wasserstoff zu produzieren, werden daher große Mengen an Ökostrom benötigt. Experten weisen daher schon lange darauf hin, dass Deutschland alleine nicht in der Lage sein wird, ausreichend grünen Wasserstoff zu produzieren. Die Folge: Das begehrte Gas muss importiert werden. Bisher wurden entsprechende Vereinbarungen mit Marokko, Australien und Saudi-Arabien ins Auge gefasst. Nun kommt noch Ägypten hinzu.


Deutsche Firmen könnten beim Aufbau der Infrastruktur helfen

Es ist allerdings keineswegs so, dass das Land am Nil bereits über jede Menge überschüssigen Ökostrom verfügt. Im Gegenteil: Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Energiemix des Landes liegt aktuell bei rund zwanzig Prozent. Theoretisch verfügt Ägypten aber über ideale Bedingungen für den Ausbau der Solar- und Windenergie. Hier soll nun die Partnerschaft mit Deutschland helfen, dieses Potenzial deutlich stärker auszuschöpfen. Auch beim Aufbau der Infrastruktur für die Wasserstoff-Elektrolyse können deutsche Firmen helfen. So gehört ThyssenKrupp in diesem Bereich zu den Technologieführern und errichtet aktuell in den Niederlanden beispielsweise den größten Elektrolyseur des Kontinents. Ägypten wiederum könnte später vom Export des Wasserstoffs profitieren und so eine konstante Einnahmequelle erschließen. Es handelt sich zudem nicht um die erste Kooperation zwischen den beiden Ländern. So baut unter anderem der Siemens-Konzern in dem Land ein gigantisches neues Schnellbahnnetz. Es handelt sich um den größten Einzelauftrag in der Geschichte des Unternehmens.


Der ägyptische Präsident regiert mit stark autokratischen Methoden

Ganz unumstritten ist die Kooperation in Sachen Wasserstoff allerdings nicht. Denn Ägypten ist keineswegs eine Demokratie. So kam der aktuelle Präsident Abdel Fatah El-Sisi durch einen Militärputsch gegen die erste frei gewählte Regierung des Landes an die Macht. Anschließend ging er brutal gegen politische Gegner vor und errichtete ein Regime mit stark autokratischen Zügen. Die Presse-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind beispielsweise inzwischen stark eingeschränkt. 21 Organisationen – etwa Amnesty International und Reporter ohne Grenzen – hatten sich daher zuletzt an die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock gewandt und mehr Druck auf die ägyptische Regierung gefordert. Aktuell allerdings ist Europa hier in keiner guten Position. Denn nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ist man verzweifelt auf der Suche nach neuen Erdgaslieferanten. Eine der neuen Quellen: Israelisches Erdgas, das in Ägypten verflüssigt und anschließend nach Europa gebracht wird.

Via: RND

1 Kommentar

  1. Achmed Khammas

    20. Juli 2022 at 16:11

    Die Hysterie um den Wasserstoff läßt sich nur damit erklären, daß sich bei dem Einsatz dieses Gases große Teile der bisherigen Infrastruktur für Brennstoffe weiter nutzen lassen. Im Gegensatz zum Strom werden dort nämlich auch Pipelines, Tanks, Tankwagen, Tankstellen und Tankwarte benötigt. Unterm Strich handelt es ich daher um ein reines Rückzuggefecht der involvierten Industrie – fernab von jeder Vernunft.

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