Aktuell wird beim Gang auf die Toilette vor allem Energie verbraucht. Denn zum einen muss anschließend die Spülung betätigt werden. Zum anderen wird das Wasser anschließend aufwändig in eine Kläranlage transportiert und dort wiederaufbereitet. Israelische Forscher sehen in dem menschlichen Bedürfnis hingegen ein gewaltiges Potential zur Energiegewinnung. Ihre Idee: Sie imitierten die Entstehung der Steinkohle in der Erde. Dazu entwickelten sie ein Druckgefäß, indem der Kot unter großem Druck und starker Hitze zu Kohle gepresst wird. Ein Prozess, der in der Natur Jahrhunderte dauert, kann so innerhalb von wenige Stunden nachvollzogen werden. Entscheidend ist aber vor allem: Die so entstandene Kohle besitzt drei bis vier Mal mehr Energie als zur Herstellung benötigt wird.


Die neue Bio-Kohle soll umweltfreundlicher sein als die hier abgebaute klassische Steinkohle. Foto: Hour.poing (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Der Zugang zu sauberen Toiletten ist von immenser Bedeutung

Die Forscher der Ben-Gurion Universität wollen daher nun Toiletten entwickeln, in die bereits ein entsprechendes Druckgefäß integriert ist. Der menschliche Kot würde dort dann direkt in Kohle verwandelt. Damit könnte dann auch weltweit der Zugang zu sauberen Toiletten verbessert werden, weil diese dann nicht mehr als reiner Kostenfaktor zu betrachten sind, sondern auch einen wirtschaftlichen Nutzen hätten. Das Problem ist durchaus dringend: Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge sterben jährlich mehr als 800.000 Menschen an den Folgen mangelnder Hygiene. Das als Nebenprodukt bei der Kohleherstellung entstehende nährstoffreiche Wasser soll zudem als Dünger verwendet werden können. Diese Idee ist allerdings nicht ganz neu: Schon seit einiger Zeit gilt das menschliche Urin als Geheimwaffe im Kampf gegen den Hunger.

Die Kot-Kohle verursacht keine CO2-Emissionen

Die aus dem Kot produzierte Kohle riecht übrigens nicht mehr nach dem ursprünglich verwendeten Rohstoff. Lediglich die Farbe ähnelt noch ein bisschen dem Original. In weiteren Versuchen wollen die Forscher nun verschiedene Anwendungsmöglichkeiten untersuchen. So ist beispielsweise geplant, mit der Kot-Kohle einen Grill zu befeuern. Der große Vorteil: Anders als bei der bisher abgebauten Braun- oder Steinkohle entstehen während des Verbrennungsprozesses keine CO2-Emissionen. Grundsätzlich handelt es sich also um einen interessanten Ansatz, zur Gewinnung von sauberer Energie. Um die in der Kohle gespeicherte Energie allerdings auch nutzen zu können, muss diese zunächst in Strom oder Wärme umgewandelt werden – was die Energiebilanz deutlich verschlechtert. Das zugrunde liegende Verfahren ist zudem technisch recht komplex. Es bleibt abzuwarten, ob es sich tatsächlich wirtschaftlich sinnvoll in Toiletten integrieren lässt.


Via: Science Direct

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