Aktuell ist der Forschungsreaktor FRM II in Garching bei München nicht in Betrieb. Denn aufgrund der Corona-Krise ist es den dort tätigen Gastwissenschaftlern nicht möglich, direkt vor Ort zu arbeiten. Zahlreiche Forscher in aller Welt hoffen allerdings, dass die Anlage bald wieder hochgefahren wird. Schließlich handelt es sich um eine der leistungsfähigsten Neutronenquellen weltweit. Die Nachfrage aus der Industrie und der Medizin ist hoch. Umweltschützer und Atomgegner fordern hingegen schon länger die vollständige Schließung der Anlage. Denn dort wird hoch angereichertes Uran verarbeitet. Der Argumentation der Gegner zufolge widerspricht dies den Bestimmungen der Betriebsgenehmigung aus dem Jahr 2003. Zusätzlich müssen die Betreiber nun noch eine Reiher weiterer unangenehmer Fragen beantworten. Denn trotz des Stillstandes ist mehr Radioaktivität ausgetreten als erlaubt.


Bild: Sgbeer / CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Es besteht keine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung

Konkret geht es um das radioaktive Nuklid C-14, bei dem der Jahresgrenzwert um rund 15 Prozent überschritten wurde. Die Betreiber versichern allerdings, dass dadurch keine gesundheitliche Gefährdung für die Bevölkerung bestand. Tatsächlich ist der individuell für die Anlage festgelegte Grenzwert sehr niedrig. Eine Röntgenaufnahme beim Zahnarzt setzt den Patienten beispielsweise einer höheren Strahlenbelastung aus. Dementsprechend ist die leichte Überschreitung des strengen Grenzwerts in Garching kein riesiges Problem. Trotzdem musste der Vorfall natürlich gemeldet werden. Das bayerische Umweltministerium reagierte umgehend und forderte einen umfassenden Bericht an. Dies bedeutet auch: Der Betrieb der Anlage kann erst wieder aufgenommen werden, wenn die Beamten des Umweltministeriums dies genehmigen. Aktuell lässt sich schwer abschätzen, wann dies der Fall sein könnte.

Ein ähnliches Problem trat schon einmal auf

Zumindest konnte inzwischen aber die Ursache für den Austritt gefunden werden. Demnach kam es bei der routinemäßigen Reinigung des schweren Wassers zu einem Montagefehler. Eine Trocknungseinrichtung wurde nicht korrekt installiert, was zur Folge hatte, dass C-14 durch den Kamin abgeleitet wurde. Die Betreiber sprechen von einem individuellen Montagefehler. Stutzig macht allerdings die Tatsache, dass beim selben Vorgang auch schon im Jahr 2012 einmal Radioaktivität freigesetzt wurde. Damals blieb die Anlage insgesamt aber unter den vorgeschriebenen Grenzwerten. Das ausgetretene C-14 dürfte nun nicht all zu schnell aus der Umwelt verschwinden: Es besitzt eine Halbwertzeit von 5730 Jahren und wird daher unter anderem genutzt, um das Alter von organischen Materialien zu bestimmen. Die jährliche Strahlendosis, die Menschen über Ableitungen mit der Luft zugemutet werden darf, liegt daher bei 300 Mikrosievert.


Via: TUM

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