Palmöl bringt zwei große Vorteile mit sich: Zum einen ist es vergleichsweise preiswert, zum anderen extrem vielseitig einsetzbar. So kommt der Rohstoff nicht nur bei Lebensmitteln zum Einsatz, sondern etwa auch in der Kosmetik und bei Kraftstoffen. Die Nachfrage ist in den letzten Jahren zudem explodiert. So ist die weltweite Anbaufläche von 3,3 Millionen Hektar im Jahr 1970 auf mehr als 28 Millionen Hektar heute gestiegen. Insgesamt werden weltweit inzwischen jährlich 77 Millionen Tonnen Palmöl exportiert. Der globale Umsatz wird auf rund 62 Milliarden Dollar geschätzt. Für viele Anbauländer stellt die Produktion des Rohstoffs somit einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. Doch dieser hat auch eine gewaltige Schattenseite. Denn die Palmöl-Pflanzen benötigen die selben klimatischen Bedingungen wie der Regenwald. Die Folge: Gewaltige Flächen des einzigartigen Ökosystems werden gerodet oder schlicht niedergebrannt, um dort Palmöl-Plantagen zu errichten. Für den Umwelt- und Klimaschutz hat dies katastrophale Folgen.


Alternativen zu den bisherigen Anbaumethoden werden dringend benötigt

Die Europäische Union hat daher nun reagiert und im Rahmen eins neuen Handelsgesetzes strengere Regeln erlassen. Ab dem Jahr 2024 dürfen demnach keine Waren mehr importiert werden, für die Regenwald abgeholzt wurde. Die Beweispflicht liegt hier bei den Importeuren. Bei den betroffenen Export-Ländern kommt diese Idee allerdings nicht besonders gut an. Malaysia beispielsweise hat sogar schon mit einem kompletten Lieferstopp gedroht. Dies würde viele Unternehmen vor große Probleme stellen. Denn bisher gibt es nur selten Ersatz für den preiswerten und vielseitig einsetzbaren Rohstoff. Dies könnte sich zukünftig allerdings ändern. Denn zahlreiche Startups arbeiten an einem alternativen Ansatz: Sie wollen Palmöl zukünftig nicht mehr auf riesigen Plantagen produzieren, sondern im Bioreaktor. Im kleinen Maßstab ist dies auch tatsächlich schon gelungen. Als Basis dient hier ein Hefestamm namens Metschnikowia pulcherrima. Dieser wurde durch gezielte Züchtungen mit den gewünschten Eigenschaften versehen.


Zucker als Nahrungsquelle ist noch nicht ideal

Anders als etwa bei der ebenfalls neu entwickelten Milch aus dem Bioreaktor konnte so auf den Einsatz von Gentechnik verzichtet werden. Die Hefekulturen werden in riesigen Stahltanks gezüchtet und genährt. Ganz ohne Klimaemissionen zu verursachen funktioniert dies aber auch nicht. Denn gefüttert werden die Kulturen mit Zucker. Dessen Anbau verursacht allerdings ebenfalls Emissionen. Auch hier wird aber bereits an Lösungen gearbeitet. Ein Ansatz besteht darin, die Nahrung zukünftig aus Lebensmittelabfällen zu gewinnen. Andere Forscher verfolgen die Idee, die Hefekulturen mit einer Mischung aus Kohlendioxid und Wasserstoff zu nähren. Unabhängig davon welcher Ansatz letztlich gewählt wird, besteht die große Herausforderung aber ohnehin darin, die Produktion für den Massenmarkt zu ermöglichen. Das Startup Clean Food Group aus London etwa kann bisher pro Woche lediglich vier Kilogramm alternatives Palmöl produzieren. Nun wird nach Partnern aus der Industrie gesucht, um die Produktion zu skalieren und erste Produkte auf den Markt zu bringen.

Via: Wiwo

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