Eigentlich dient das eingeschaltete Blaulicht der Sicherheit von Polizeibeamten. Denn wenn diese beispielsweise einen Unfall aufnehmen, sorgt das blaue Licht dafür, dass andere Verkehrsteilnehmer frühzeitig auf die Gefahrenstelle hingewiesen werden. Dies gilt allerdings offensichtlich nur für menschliche Fahrer. Denn in den Vereinigten Staaten kam es in diesem Jahr zu einem folgenschweren Zwischenfall auf einem Highway. Dort standen gleich zwei große Polizeiwagen mit eingeschaltetem Blaulicht. Dennoch raste ein Tesla mit mehr als 110 Km/h ungebremst in eine zwischen den Fahrzeugen stehende Menschengruppe. Fünf Polizisten wurde dabei schwer verletzt. Schnell war klar, dass der Fahrer des Teslas offenbar die Fahrt des Wagens nicht kontrolliert hat. Stattdessen hatte er das Autopilot genannte Fahrassistenzsystem eingeschaltet. Dieses aber wurde offensichtlich durch das Blaulicht irritiert und erkannte kein Hindernis, so dass es zu dem folgenschweren Unfall kam.


Bild: Vauxford, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Teslas Art der Kommunikation steht schon länger in der Kritik

Es handelte sich zudem keinesfalls um einen Einzelfall. Vielmehr haben die klagenden Polizisten landesweit ein Dutzend Fälle identifiziert, bei dem es ebenfalls zu Unfällen zwischen Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht und Teslas mit Autopilot kam. Dies rückt zwei grundlegende Problematiken in den Fokus:

1. Der Autopilot von Tesla ist eine Art Marketing-Gag. Denn tatsächlich handelt es sich lediglich um Fahrassistenzsysteme, wie es sie auch bei den Autos anderer Hersteller gibt. Dies stellt auch Tesla auf der eigenen Webseite klar. Es ist daher verboten, den Wagen alleine fahren zu lassen. Die etwas anderes suggerierende Begrifflichkeit wird aber schon länger scharf kritisiert.


2. Tesla geht beim autonomen Fahren einen anderen Weg als die meisten Hersteller. Denn die Fahrzeuge erkennen Hindernisse ausschließlich durch die automatisierte Auswertung von Kamerabildern. Das Blaulicht scheint diese Funktion allerdings zu stören. Auf den Einsatz von Lidar verzichtet Tesla hingegen und hält die Technologie für überflüssig. Damit aber ließen sich exakte 3D-Bilder der Umgebung anfertigen – und auch Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht erkennen.

Das Urteil könnte für den Konzern teuer werden

In dem Zivilverfahren werfen die Kläger dem Konzern daher zum einen Fahrlässigkeit vor. Zum anderen zielen sie aber auch auf verschiedene Aspekte der Produkthaftung ab. Sie fordern alles in allem zehn Millionen Euro Schadensersatz, einen Ersatz für den Verdienstausfall und noch einmal zehn Millionen Euro als Strafschadensersatz. Neben Tesla wurde zudem auch eine Restaurantkette verklagt. Diese soll dem späteren Unfallfahrer weiter Alkohol verkauft haben, obwohl er bereits angetrunken war. Später stieg die Person dann in ihren Tesla und aktivierte den Autopilot. Bisher zeigt sich der Autokonzern von der Klage aber nicht besonders beeindruckt. So läuft aktuell die Beta-Testphase für eine Erweiterung des Autopiloten. Auch hier wird eine eher irreführende Bezeichnung verwendet: Tesla spricht vom „Full Self Driving“. Dennoch müssen menschliche Fahrer die Fahrt überwachen und jederzeit eingreifen können.

Via: The Verge

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