Die chinesische Regierung nimmt das Thema Klimaschutz durchaus ernst. So schreitet der Ausbau der Erneuerbaren Energien so schnell voran wie in kaum einem anderen Land. Auf der anderen Seite ist der Energiehunger im Reich der Mitte aber auch so groß, dass noch immer unzählige Kohlekraftwerke in Betrieb sind. Die Regierung versucht sich hier an einer Art Balanceakt: Sie will die Klimaschutzziele erreichen, ohne das Wachstum zu beeinträchtigen. Heraus kommen dabei manchmal recht merkwürdige Kompromisse. So hat das Land kürzlich angekündigt, im Ausland keine neuen Kohlekraftwerke mehr errichten zu wollen. Dies ist einerseits eine gute Nachricht für den Klimaschutz. Auf der anderen Seite bedeutet es aber auch: Im Inland gilt diese Selbstbeschränkung nicht. Da neue Kraftwerke stets für Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten geplant werden, ist damit auch klar: Kohle wird im chinesischen Strommix noch lange eine Rolle spielen.


Flagge China
Foto: Alexander Trisko

Mikrowellen und Wasserkocher müssen ausgeschaltet bleiben

Um die eigenen Klimaziele zu erreichen, hat die Regierung in diesem Jahr ein konkretes Ziel vorgegeben: Der Stromverbrauch des Landes soll um drei Prozent sinken. Das klingt erst einmal nach nicht besonders viel. Es ist aber durchaus ein ambitioniertes Ziel, wenn man bedenkt, dass die Wirtschaft gleichzeitig noch mindestens im hohen einstelligen Prozentbereich wachsen soll. Umgesetzt werden müssen diese Maßnahmen von den Provinzregierungen. Diese haben daher teilweise kurios anmutende Einschränkungen erlassen. So wurden die Öffnungszeiten von Einkaufszentren reduziert. In einigen Städten ist zudem die Nutzung von Wasserkochern und Mikrowellen verboten. Unklar ist allerdings, wie genau das Verbot überwacht werden soll und welche Strafen es gibt. Es zeigt aber, dass die Behörden unter Druck stehen, die Zielvorgabe auch zu erreichen. Inzwischen müssen zudem nicht nur Privatpersonen Einschränkungen hinnehmen, sondern auch die Wirtschaft.

Es handelt sich zunächst um temporäre Maßnahmen

So muss der Apple-Zulieferer Unimicron Technology drei seiner Fertigungsstätten vorübergehend schließen. Diese können frühestens am Donnerstag wieder den Betrieb aufnehmen. Hier sind die Auswirkungen noch begrenzt, weil gleichzeitig die Produktion an anderen Standorten hochgefahren wird. Ebenfalls betroffen ist die Concraft Holding. Diese produziert unter anderem Teile der Apple-Kopfhörer. Hier wird bis Donnerstag gar nicht produziert. Stattdessen soll auf Lagerbestände zurückgegriffen werden. Auch der taiwanesische Zulieferer Foxconn muss Fabriken schließen. Betroffen sind zudem unter anderem auch Unternehmen, die im Auftrag von Tesla arbeiten. Bleiben die Werke wirklich nur einmalig und vorübergehend geschlossen, dürften sich die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft in Grenzen halten. Grundsätzlich herrscht weltweit aber ohnehin schon ein Mangel an Elektronikbauteilen. Dieser könnte sich noch verschärfen, wenn weitere Fabriken still stehen müssen.


Via: Handelsblatt

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