Die Ausbreitung des Coronavirus in Europa blieb lange Zeit unentdeckt. Aus Sicht der Pandemiebekämpfung war dies alles andere als optimal. Denn hier gilt: Je schneller ein Ausbruch entdeckt wird, desto einfacher ist es, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Forscher arbeiten daher an Methoden, um zukünftig lokale Veränderungen schneller erkennen zu können. Ein Mittel der Wahl dabei: Die Auswertung von Twitter-Beiträgen. Entwickelt wurde die Methode am Scuola IMT Alti Studi Lucca (IMT) in Italien. Die Forscher dort erstellten eine Datenbank, in die sämtliche Twitter-Beiträge integriert wurden, die bestimmte Schlagwörter enthalten. In einem ersten Schritt ging es dabei um den Begriff „Pneumonia“ – und zwar in den Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Niederländisch, Spanisch, Italienisch oder Polnisch. Ausgeführt wurde die Untersuchung für den Zeitraum von Dezember 2014 bis März 2020.


Bessere Daten erleichtern die frühzeitige Eindämmung

Dieser lange Zeitraum war notwendig, um mögliche Abweichungen bei der Zahl der Nennungen richtig interpretieren zu können. So stellten die Forscher fest, dass der Begriff schon ab Juli 2019 in Italien deutlich häufiger verwendet wurde als dies zu erwarten gewesen wäre. Dieser Trend setzte sich in den folgenden Monat fort, obwohl die Grippe-Saison vergleichsweise mild ausfiel. Für die Forscher ist dies ein klares Anzeichen dafür, dass sich die Corona-Pandemie zu diesem Zeitpunkt bereits in Italien ausbreitete. Später wiederholten sie die Auswertung auch mit dem Begriff „Dry Cough“ – also: trockenem Husten. Auch hier ließ sich der Anstieg bereits erkennen, bevor die ersten offiziellen Nachweise vorlagen. Interessant ist zudem, dass die meisten Erwähnungen aus den Regionen stammten, die später dann auch besonders stark von der Pandemie betroffen waren. Dies spricht für die These der Forscher.


Die Vereinten Nationen könnten die Auswertung koordinieren

Die beteiligten Wissenschaftler wollen aus diesem Experiment heraus nun ein vollständiges Frühwarnsystem für Pandemien entwickeln. Sie denken dabei beispielsweise an die Vereinten Nationen, wo eine gezielte Auswertung von Social-Media-Einträgen organisiert werden könnte. Im Ernstfall könnten die Regierungen und Behörden so wichtige Zeit und Erkenntnisse gewinnen. Allerdings fand die Auswertung nun erst im Nachhinein statt. Die Forscher wussten also bereits nach welchen Symptomen sie suchen mussten. In der Realität dürfte die Auswertung hingegen deutlich weniger eindeutig ausfallen. Schlicht weil zu Beginn einer Pandemie zumeist noch recht wenig über die Krankheit bekannt ist. Dennoch sind die Forscher überzeugt, dass die Auswertung der Social-Media-Kanäle einen wichtigen Beitrag leisten kann, um früh wichtige Erkenntnisse zu gewinnen. Datenschutzrechtliche Bedenken gibt es eher keine. Denn es wird rein die Häufigkeit der Nennungen analysiert. Eine Rückverfolgung zu den einzelnen Accounts findet nicht statt.

Via: Nature

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