Im County Washington im US-Bundesstaat Oregon nutzt der örtliche Sheriff eine automatisierte Gesichtserkennungssoftware, um die Stadt zu überwachen. Die einflussreiche Bürgerrechtsorganisation „American Civil Liberties Union“ kritisiert dies allerdings scharf und sieht einen erheblichen Verstoß gegen den Datenschutz. Was steckt dahinter? Entwickelt wurde die Software namens Rekognition von Amazon. Sie soll in der Lage sein, auch bei größeren Menschenmengen hundert Personen gleichzeitig identifizieren zu können – vorausgesetzt es stehen entsprechende Bilder in der Datenbank zur Verfügung. Grundsätzlich gibt es auch eher unbedenkliche Anwendungen für dieses System. So nutzte ein TV-Sender die Software, um die Gäste auf einer Live übertragenen Hochzeit zu identifizieren. Problematisch wird es allerdings, wenn die Gesichtserkennung für staatliche Zwecke genutzt wird.


Bild: Amazon

Die Mitarbeiter können die Datenbank mit neuen Fotos füttern

So hat der Sheriff im County Washington dem System 300.000 sogenannte Mugshots zur Verfügung gestellt. Dabei handelt es sich um die bekannten Aufnahmen, die gemacht werden, sobald eine Person festgenommen wird. Läuft einer dieser Menschen nun an einer öffentlichen Überwachungskamera vorbei, wird dies von der Software sofort erkannt. Theoretisch könnten so also beispielsweise Bewegungsprofile erstellt werden. Zudem fallen regelmäßig Daten an, auch wenn gegen die betroffene Person aktuell gar nicht ermittelt wird. Mehr noch: Die Mitarbeiter des Sheriffs können mit ihren Smartphones zusätzliche Fotos in die Datenbank einspeisen. Es dürfte äußerst zweifelhaft sein, ob dabei immer die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit der Bürger eingehalten wird. Die ACLU jedenfalls spricht von einem „mächtigen und gefährlichen“ Werkzeug.

Auch in China kommt eine ähnliche Technologie zum Einsatz

Grundsätzlich neu ist dieser Ansatz allerdings nicht. So nutzte die Polizei in Wales während des Champions League Finals im letzten Jahr eine ähnliche Software. Anschließend mussten allerdings eingeräumt werden: Die Ergebnisse waren eher dürftig. In China wiederum setzt der Staat auf die Gesichtserkennung, um ein öffentliches Punktesystem zu etablieren. Dabei sollen die Einwohner für gutes Verhalten Punkte erhalten und bei Verstößen welche abgezogen bekommen. Der daraus entstehende Score kann dann entscheidend sein, um etwa eine bestimmte Wohnung oder einen gewünschten Studienplatz zu erhalten. Anders als in China haben die Bürger in den Vereinigten Staaten aber durchaus einklagbare Rechte. Es ist davon auszugehen, dass es einige juristische Auseinandersetzungen über die Rechtmäßigkeit des Einsatzes von Gesichtserkennungssoftware geben wird.

Via: New York Times


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