Überschussstrom, den Wind und Solarkraftwerke immer häufiger liefern, je weiter der Ausbau voranschreitet, soll in England künftig in Form von verflüssigter Luft gespeichert werden. Was verrückt klingt scheint eine gute Alternative zum Einsatz von Batterien zu sein, wenn es darum geht, das Stromnetz zu stabilisieren und so Blackouts zu vermeiden.


Die Idee hatten Ingenieure des Londoner Unternehmens Highview Power. Sie errichteten in der Nähe von Manchester eine Testanlage, die eine Leistung von fünf Megawatt hat. Jetzt wollen sie im Norden von England eine zehnmal größere Anlage, die genauso funktioniert wie die nahe Manchester. Mit überschüssigem Strom werden mächtige Pumpen angetrieben, die Luft so komprimieren, dass sie sich verflüssigt. Bei einer Temperatur von minus 196 Grad Celsius lässt sie sich in gut isolierten Tanks wochenlang drucklos lagern. Beim Komprimieren fällt jede Menge Wärmeenergie an, sie ebenfalls gespeichert wird. Es ist das gleich Phänomen, das eine Luftpumpe warm werden lässt, wenn man die Austrittsöffnung zuhält.


„Entfesselte“ Luft erzeugt Strom

Wenn es an Strom fehlt wird die flüssige Luft „entfesselt“, indem sie mit der gespeicherten Wärme zurück in Gas verwandelt wird. Dessen Volumen ist 700 Mal so groß wie das der flüssigen Luft. Die gewaltige Kraft, die beim ausdehnen frei wird, entlädt sich in einem Turbogenerator, der Strom erzeugt.

Die Entwickler nennen mehrere Vorteile gegenüber einer Batterie. Während diese teure, seltene und teilweise giftige oder gefährliche Rohstoffe benötigt, besteht das kryogene Speicherkraftwerk aus Allerweltswerkstoffen wie Stahl und Dämmmaterial. Es hat eine Lebensdauer von mindestens 40 Jahren, ohne an Leistung zu verlieren, versichern die Ingenieure. Die Kapazität von Batterien fällt dagegen schon nach wenigen Jahren ab. Nach zehn oder 15 Jahren müssen sie ausgetauscht werden. Zudem lässt sich flüssige Luft wochenlang speichern, während Batterien durch Selbstentladung Energie verlieren, auch wenn sie nicht genutzt werden.

Deutschland könnte derartige Puffer gut gebrauchen

Highview-Chef Colin Roy glaubt, dass seine Pufferspeicher fast so wirtschaftlich sind wie Pumpspeicherkraftwerke, bei denen Wasser zwischen zwei übereinander liegenden Seen pendelt. Er denkt schon jetzt an Exporte. Deutschland könnte ein Abnehmer sein, weil das Land im Zuge der schrittweisen Stilllegung von Kern- und Kohlekraftwerken dringend derartige Puffer benötigt.

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3 Kommentare

  1. Thomas Schöller

    26. Oktober 2019 at 10:29

    Leider erfährt man mal wieder nichts über die Kosten für die Speicherung, über die Kosten des Stroms bei der Rückverstromung, sowie über die Leistungsfähigkeit dieses Systems.

  2. Oliver Petry

    26. Oktober 2019 at 13:49

    nur ist der wirkungsgrad (energieverlust) nicht gerade toll. die sind zwar besser als pumpspeicher, aber salzwärmespeicher oder jetzt auch neu siliziumwärmespeicher sind da effizienter. vielleicht kann man das als langzeitspeicher noch gut verwenden. wäre also ein kombimix aus den drei technologien vielleicht das beste.

  3. Der Frager

    28. Oktober 2019 at 09:38

    aus dem Artikel geht leider nicht hervor wie man die Lagerung bei -196 grad erreicht. kühlung verbaucht enorm viel Energie. und die Energie aus der luft zu holen bis sie -196 grad erreicht benötigt ebenfalls sehr viel energie

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