Das Leben auf der Internationalen Raumstation ISS kann auch hart sein. Denn ein Jahr lang lagerten dort ein Dutzend Flaschen eines echten Spitzenweins. Kostenpunkt: Rund 5.000 Euro pro Flasche. Für die Astronauten allerdings ist Alkohol grundsätzlich verboten. Der Wein kehrte daher unbeschadet auf die Erde zurück und wurde dort von Forschern der Universität Bordeaux genauer untersucht. Oder anders gesagt: Die Flaschen wurden von zwölf Weinexperten verkostet. Zum Vergleich erhielten diese zudem auch Wein des gleichen Jahrgangs, der auf der Erde verblieben war. Die Forscher sprachen hier vom Vergleich zwischen Geo- und Weltraumwein. Tatsächlich fiel das Urteil der Experten dann vielschichtig aus. Die wichtigste Erkenntnis aber: Geschadet hat der Aufenthalt im Weltraum dem edlen Getränk nicht. Bei der Geschmacksbeschreibung wiederum setzte jeder der zwölf Probanden etwas andere Akzente.


Bild: Gemeinfrei

Weinreben wuchsen im All schneller als auf der Erde

Eine Teilnehmerin berichtete allerdings, dass der auf der Erde verbliebene Wein „etwas jünger“ geschmeckt habe. Hier könnte sich ein Ansatzpunkt für die Forscher ergeben. Durch ein genaueres Verständnis des Alterungsprozesses wollen sie Verfahren entwickeln, um diesen auf künstliche Weise zu beschleunigen. Möglicherweise spielt hier die Schwerelosigkeit eine Rolle. Der Ansatz muss nun aber zunächst noch verifiziert werden. Schon etwas praxisnäher war der zweite Teil des Versuchs. Denn auf der ISS lagerten nicht nur schon fertige Weine, sondern auch einige Weinreben. Die Forscher wollten die Pflanzen so einem ungewohnten Stressfaktor aussetzen und die Reaktion beobachten. Das Ergebnis fiel erstaunlich aus: Trotz der ungewöhnlichen Lichtverhältnisse und der eingeschränkten Wasserversorgung wuchsen die Pflanzen schneller als ihre Pendants auf der Erde.

Pflanzen sollen resistenter gegen neue Stressfaktoren werden

Auch hier gilt es nun, eine Erklärung zu finden, warum dies so war. Gelingt dies, könnten auf dieser Basis dann Weinreben entwickelt werden, die resistenter gegen Stressfaktoren sind. Dies wäre von Bedeutung, um die Pflanzen beispielsweise an die Veränderungen im Zuge des Klimawandels anzupassen. Im besten Fall lassen sich die so gewonnenen Erkenntnisse dann auch auf andere Pflanzen übertragen. Dies wiederum könnte zur sicheren Versorgung mit Lebensmitteln weltweit beitragen. Langfristig würden solche Erkenntnisse auch helfen, den Weinanbau im Weltall zu ermöglichen. Aktuell rechnet sich das allerdings noch nicht. Die Kosten des Experiments auf der ISS wurden zwar bisher nicht kommuniziert. Die Gelder stammten aber aus der wissenschaftlichen Forschung. Für ein kommerzielles Projekt müssten zunächst die Transportkosten ins All massiv sinken.


Via: Die Zeit

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